Zwischen zartem Pflänzchen 
und ohne Idee

Welche Zukunft hat der Wintersport in Rheinland-Pfalz?

Ein Kommentar von Dominik Sonndag, LSB-Abteilungsleiter Kommunikation

Der Erfolg des Eifeler Skilangläufers Jan Stölben bei den Olympischen Spielen in Mailand Cortina 2026 wirkt wie ein Scheinwerfer, der für einen Moment eine Sportart beleuchtet, die in Rheinland-Pfalz traditionell eher im Schatten steht. Er zeigt, dass Spitzenleistungen mit rheinland-pfälzischen Wurzeln möglich sind – doch es offenbart zugleich eine strukturelle Herausforderung: Während einzelne Talente internationale Bühnen erreichen, fehlt es dem Wintersport im Land an Unterstützern und Visionären – insbesondere in der Politik. Das belegen die Antworten der Ministerien von Daniela Schmitt (Wirtschaft und Tourismus), Katrin Eder (Umwelt) und Michael Ebling (Sport) auf die Frage: „Welches Potenzial sehen Sie für Rheinland-Pfalz und macht es aus Ihrer Sicht Sinn, den Wintersport in den Vereinen und Kommunen (alpin, nordisch, Eissport) hierzulande weiterzuentwickeln und zu fördern?"

Sportministerium: Überschaubare, aber funktionierende Skigebiete

Das Innen- und Sportministerium verweist auf die bestehenden Grundlagen. In unseren Mittelgebirgsregionen gibt es überschaubare, aber funktionierende Skigebiete. Dazu rund 162 Skisportvereine, die von einem hohen ehrenamtlichen Engagement getragen werden. Das sei solide. Zukunftssicher ist es nicht.

Wenn aus „zarten Pflänzchen“ leistungsfähige Strukturen entstehen sollen, braucht es mehr als wohlwollende Worte: Es braucht konkrete Förderprogramme, Investitionen in Infrastruktur und Anreize für Vereine, Wintersportangebote zu entwickeln und dadurch Nachwuchs zuerst aufzubauen und dann langfristig zu binden.

Keine Ideen aus dem Umweltministerium

Bemerkenswert nüchtern bleibt das Umweltministerium, das zwar die Bedeutung von Bewegung im Freien betont, aber keine Perspektive formuliert, wie Natur- und Umweltschutz mit modernem Wintersport in Einklang gebracht werden können. Genau diese Debatte wäre doch spannend, wollen Kommunen und Vereine in Zeiten des Klimawandels verantwortungsvolle Angebote schaffen – von energiesparenden Liftanlagen, über nachhaltige Konzepte für Kunstschnee, hin zu Grasskimatten für Langlauf und der neuen Bob- und Skeleton-Anschubbahn in Hachenburg.

Wirtschaftsministerium lässt Anfrage unbeantwortet

Besonders ernüchternd war, dass das Wirtschaftsministerium, welches auch für Tourismus zuständig ist und kürzlich, nach unseren Informationen, einen Termin am Erbeskopf absolvierte, keine Antwort auf unsere Anfrage gesendet hat. Während Wandern, Radfahren oder Wassersport als Zukunftsfelder in der Tourismusstrategie Rheinland-Pfalz 2025 gelten, wird der Wintersport mit keinem einzigen Wort erwähnt – ein stummes Signal, das klarer kaum sein könnte. Wer den Wintersport nicht einmal in strategischen Papieren erwähnt, darf sich nicht wundern, wenn Ehrenamt und Angebote insbesondere in den Mittelgebirgen des Landes zurückgehen oder verschwinden.

Wintersport hat Potenzial

Rheinland-Pfalz hat Potenzial im Wintersport. Das zeigt insbesondere die vielfältige Darstellung als TOPTHEMA in dieser „SPORT Rheinland-Pfalz“-Ausgabe. Rheinland-Pfalz hat Potenzial im Wintersport, aber nur, wenn Land, Kommunen, Sportverbände und Sportvereine zusammenfinden und Ideen entwickeln: realistische, ökologisch verantwortbare und leistungssportlich ambitionierte.

Wintersport bleibt ein „zartes Pflänzchen“

Ohne diese Klarheit bleibt Wintersport im Land ein „zartes Pflänzchen“ – statt eines Bausteins einer modernen, vielfältigen Sportlandschaft, die regelmäßig Teilnehmer*innen bei Olympischen Winterspielen und Winter-Paralympics entstehen und Rheinland-Pfalz auch im Winter zum Bewegungsland #1 werden lässt.

„Welches Potenzial sehen Sie für 
Rheinland-Pfalz und macht es aus Ihrer Sicht Sinn, den Wintersport in den 
Vereinen und Kommunen 
(alpin, nordisch, Eissport) hierzulande weiterzuentwickeln und zu fördern?"



Antwort des Ministeriums des Innern und für Sport

„Jan Stölben hat bei den Olympischen Spielen in Milano/Cortina mit einer starken Leistung eindrucksvoll gezeigt, welches Potenzial auch im rheinland-pfälzischen Wintersport steckt. Solche Erfolge machen deutlich, dass Wintersport auch bei uns ambitioniert betrieben wird.

Gleichzeitig müssen wir realistisch bleiben: Im Vergleich zu anderen Sportarten ist der Wintersport in Rheinland-Pfalz ein eher zartes Pflänzchen. Dennoch verfügen wir mit Eifel, Hunsrück und Westerwald über Mittelgebirgsregionen mit Skigebieten und gewachsenen Vereinsstrukturen. Rund 162 Vereine mit etwa 23.000 Mitgliedern engagieren sich in unterschiedlichen Disziplinen, getragen von großem ehrenamtlichem Einsatz. Das zeigt: Es gibt ein solides Fundament, auf dem wir aufbauen können. 

Genau hier setzen wir an. Wir wollen vorhandene Strukturen weiter stärken, Innovationen unterstützen und engagierten Vereinen verlässliche Perspektiven geben. Wo nachhaltige Konzepte und regionales Engagement zusammenkommen, eröffnen sich – im Breiten- wie im Leistungssport – echte Chancen. So kann auch der Wintersport seinen Beitrag dazu leisten, unser Land Schritt für Schritt zum Bewegungsland Nummer 1 weiterzuentwickeln.


Antwort des Ministeriumsfür Klimaschutz, Umwelt, Ernährung und Mobilität

"Sport verdient unbedingt mehr Aufmerksamkeit. Er verbindet, bringt Menschen zusammen, hält uns gesund und ist im Freien auch oft ein schönes Naturerlebnis, bei dem wir neue Kraft tanken können. Unsere Forstleute im Staatswald arbeiten mit verschiedenen Akteuren zusammen, um viele Sportarten an der frischen Luft zu ermöglichen. 

So besteht seit einigen Jahren eine enge Zusammenarbeit mit dem DOSB, etwa beim Projektbeirat SPORTOUT und dem Kooperationsprojekt Wald.Sport.Bewegt des Deutschen Forstwirtschaftsrates mit dem DOSB und auch mit dem Landessportbund RLP. Darüber hinaus stehen wir mit Kommunen in Kontakt, um Sportstätten klimafreundlich zu gestalten - und damit auch Energiekosten zu senken. Im Rahmen des

Kommunalen Investitionsprogramms Klimaschutz und Investition (KIPKI) erhielten Kommunen beispielsweise Förderungen für energieeffiziente Flutlichtanlagen oder PV-Anlagen zur Senkung der Stromkosten und des CO2-Ausstoßes. Und auch in den Ernährungsprogramme von Rheinland-Pfalz is(s)t besser spielt Bewegung stets eine große Rolle - es gibt viele Ebenen, auf denen Sport mehr gefördert werden kann", so Klimaschutzministerin Katrin Eder.


Antwort des Ministeriumsfür Ministerium für Wirtschaft,Verkehr, Landwirtschaftund Weinbau

Das Ministerium hat auch auf Nachfrage keine Antwort gesendet.