„Ich kann wirklich nicht ohne“

Aus der Rheinwelle in die Nationalmannschaft – Mathis Schönung im Interview

Mathis Schönung ist eine der größten deutschen Schwimm-Hoffnungen für die kommenden Jahre. Der 22-Jährige von der SG EWR Rheinhessen hat sich von der Rheinwelle an einen Olympiastützpunkt hoch geschwommen und will künftig international für Furore sorgen. Im Interview mit SPORT Rheinland-Pfalz spricht Mathis über seine Passion zum Wasser und dem Schwimmen, vergleicht die Bedingungen aus seiner Anfangszeit mit Heute und erklärt die Gründe für seinen Wechsel an den Olympiastützpunkt. 

Nur hier in unserer Digitalvariante lest ihr das komplette Interview mit Mathis Schönung.

Mathis, erstmal noch herzlichen Glückwunsch zum Deutschen Vize-Meistertitel über 200 Meter Brust und vor allem zur geschafften EM-Norm. Wie groß war die Freude, als du die Zeit gesehen hast?

Das war wirklich ein Befreiungsschlag. Ich habe jahrelang so ein bisschen auf der Stelle gestanden. Ich habe mich zwar schon weiterentwickelt. Aber immer dann, wenn es wichtig war, konnte ich nicht liefern.

Dein Körper kam ja auch immer mal ein bisschen dazwischen.

Genau. Letztes Jahr zum Beispiel, war ich rund drei Monate raus, weil ich Pfeiffersches Drüsenfieber hatte, beziehungsweise ein Wiederausbruch davon. Das hat mich dann schon ein bisschen zerstört. Und jetzt bin ich endlich mal angekommen. Ich bin ein Teil der Nationalmannschaft und nicht einfach nur einer, der mal in der Jugend gut war. Deswegen, es war schon ziemlich geil. Jetzt werde ich überall mitgenommen, ich komme richtig rum. Das ist alles Vorbereitung für die anstehende EM in Paris.

Das heißt, du bist im August auch sicher in Paris dabei?

Ja, zu 100 Prozent.

Du hast damals beim SSV Ingelheim in der Rheinwelle mit dem Schwimmen angefangen und bist dann über den SSV Bingen recht schnell in der Leistungsgruppe der SG EWR Rheinhessen gelandet. Wie ist das damals genau abgelaufen? 

Also genau kann mich da nicht dran erinnern. Aber ich weiß, dass ich schon immer relativ gut war, auch zu Ingelheimer Zeiten. Irgendwann gab es im Verein dann aber Querelen. Von meinem Trainer, der mein Potenzial erkannt hatte, wurde mir dann nahegelegt, den Verein zu wechseln und nach Mainz zu gehen. Damals waren die Bedingungen dort auch wirklich noch top und es hat auch direkt funktioniert. Mein damaliger Trainer Paul Harloff hat mich zu der Zeit sehr geprägt.

„Jetzt bin ich endlich mal angekommen. Ich bin ein Teil der Nationalmannschaft.“

Warst du denn schon immer eine „Wasserratte“?  

Ja, es geht nicht ohne Wasser. Nach den letzten Deutschen Meisterschaften hatten wir eine Woche frei. Ich bin dann gemeinsam mit meiner Freundin nach Wien gefahren, um ein bisschen Urlaub zu machen. Als wir da waren, war das Erste, was ich gesagt habe: „Wir gehen aber schwimmen, oder?“ Also ich kann wirklich nicht ohne, auch im Sommerurlaub. Mein jetziger Trainer hat mich im letzten Sommer gefragt, wie viel Sommerpause ich gemacht habe. Ich habe geantwortet: „Keine.“ Ich war ja sowieso schon drei Monate wegen meiner Krankheit raus und bin dann praktisch direkt eingestiegen, als es wieder ging. Ich finde Schwimmen halt auch einfach geil.

Wenn du die damaligen Bedingungen für den Nachwuchs mit heute vergleichst: Würdest du es nochmal zum Profi schaffen? 

Hier in Mainz nicht. Ich kenne ja auch die Leute aus Mainz, ich war da gestern wieder im Training. Jeder, der jetzt in Mainz anfängt und Talent hat, hat einen großen Nachteil: die Umstände mit der Stadt, dem Taubertsberg Bad (TBB), das ja schon seit zwei, drei Jahren jetzt aus außen vor ist. Und vor allem ist diese Hilfsbereitschaft einfach nicht mehr da. Die Bäder, die Stadt, die sind zwar irgendwie noch so ein bisschen dahinter, aber es ist einfach so viel mehr Arbeit für den Verein und es macht einfach müde. Ich kann die Präsidentin von meinem Verein komplett verstehen, wenn sie sagt, dass sie keine Lust mehr hat. Das Frühtraining ist ein gutes Beispiel. Früher war das gar kein Thema. Da standen wir morgens um 5:50 Uhr am TBB und hatten einen eigenen Schlüssel, um reinzukommen. Und um 6:30 Uhr kam dann der erste Bademeister und hat uns zugeschaut. Das ist mit den Jahren immer mehr runtergegangen. Nach Corona durften wir dann sogar nur noch mit dem öffentlichen Badbetrieb rein. Und auch was die Becken und die Verfügbarkeiten für Leistungsschwimmer betrifft, sind die Bedingungen inzwischen alles andere als optimal. Deswegen bin ich dann zum Beispiel nach Mombach in den öffentlichen Schwimmbetrieb. Da haben wir aber auch keine Trainingszeiten bekommen, weil das Bad keine Lust auf uns hat. Ich musste zehnmal die Woche für zwei Stunden trainieren. Und wenn ich mir dann halt viermal oder fünfmal davon mir Sorgen machen muss, dass ich überhaupt eine Bahn habe, wo ich vernünftig trainieren kann, dann ist das einfach nicht schön. Und jetzt in Heidelberg ist das Problem halt für mich gelöst worden.

Du hast es gerade schon gesagt – Du trainierst inzwischen am Olympiastützpunkt in Heidelberg. Was waren letzten Endes die ausschlaggebenden Gründe für den Wechsel?

Mir wurde ein Wechsel schon immer nahegelegt. Und ich habe auch früher schon mal nachgedacht, ins Internat nach Heidelberg zu gehen. In den letzten Jahren haben mir mehrere Bundestrainer gesagt, dass, wenn ich wirklich weitermachen und vorankommen will, ich an einen Stützpunkt gehen muss. Und mit dem neuen Trainer da komme ich super klar. Seine Methoden sind sehr modern und wissenschaftlich. Er erklärt einem, was und vor allem auch warum man bestimmte Dinge tut. Es funktioniert extrem gut mit ihm.

Will immer hoch hinaus - der rheinland-pfälzische Schwimmsportler Mathis Schönung 

Haben die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles bei deiner Entscheidung auch eine Rolle gespielt?

Ja klar, das hat auch eine Rolle gespielt. Ich habe mir gedacht, wenn ich nach Heidelberg gehe, dann muss ich jetzt wechseln. Wenn ich später wechsele und die Adaption an das neue Trainingssystem länger dauert als gedacht, dann habe ich ein Problem. So habe ich zwei volle Jahre bis zur Olympiasaison und eine Base, die ich aufgebaut habe. Zum Glück hat es jetzt sogar extrem schnell funktioniert und ich kann darauf weiter aufbauen.