Erbeskopf vor Neuausrichtung

Vom Wintersportklassiker zum ganzjährigen Erlebnisberg

Das größte Skigebiet in Rheinland-Pfalz steht vor einem Neuanfang. Wo früher Wintersport das Geschehen bestimmte, zwingt fehlender Schnee heute zum Umdenken. Statt Skilift-Romantik setzt der Erbeskopf nun auf ein ganzjähriges Erlebnisangebot.

Fragt man nach bekannten Skigebieten in Rheinland-Pfalz, gibt es nicht allzu viele Antworten. Eine, die jedoch fast immer dabei ist, ist der Erbeskopf. Mit einer Höhe von 816 Metern ist der Berg im Nationalpark Hunsrück-Hochwald die höchste Erhebung im Land – und auch das größte Skigebiet. Doch die Zeiten, in denen weiße Pisten regelmäßig Wintersportfans angelockt haben, sind längst vorbei. „Wir haben immer weniger Lifttage, das ist in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen“, bilanziert Dr. Tamara Breitbach, Bürgermeisterin der Gemeinde Thalfang und Vorsitzende des „Zweckverband Wintersport-, Natur- und Umweltbildungsstätte Erbeskopf“. Schuld daran ist ausbleibender Schnee. Ein Problem mit Folgen für das gesamte Gebiet. Breitbach: „Das alte Konzept Wintersport, Erbeskopf und die Kassen klingeln – das funktioniert so nicht mehr.“


Workshop soll neue Ideen bringen

Stattdessen soll der Fokus nun auf eine ganzjährige Nutzung des Gebiets gelegt werden. Dafür will der Zweckverband bis zum Jahr 2031 bereits bestehende Möglichkeiten wie die Sommerrodelbahn, den Trailpark oder die schönen Wanderwege um weitere Angebote ergänzen. Welche das sein könnten, soll ein Auftaktworkshop zum neuen Konzept „Erlebnisberg 2026 Plus“ mit allen am Berg beteiligten Parteien in den nächsten Wochen klären. Vor allem mit Blick auf die Kosten – dem Grund, warum schon zahlreiche vorherige Konzepte gescheitert sind – wolle man „nur Maßnahmen entwickeln, die alle Partner mittragen und die ebenso Mehrfachfunktionen abbilden können“, so Breitbach: „Und mit dieser Vorstellung wollen wir dann ans Land, den Bund, an die EU herantreten und schauen, welche Fördermöglichkeiten vorhanden sind.“ 

Wintersport? Ja, aber …

Ein paar Angebote wurden bereits umgesetzt. So wurde im vergangenen Jahr ein neuer Spielplatz eröffnet. Und ab April wird es einen sogenannten Vielfaltspfad geben. Neue Ideen wie den Bau von Radwegen zwischen Mosel und Hunsrück oder das Angebot von Sportarten wie Sommerbiathlon gibt es einige. In Breitbachs Idealvorstellung biete der Berg künftig so viele verschiedene Möglichkeiten, „dass die Leute den ganzen Tag am Erbeskopf verweilen können und abends voller guter Eindrücke nach Hause oder in ihre Ferienwohnung fahren“. Auch der Wintersport soll weiterhin eine Rolle spielen. „Schnee ist ein Erlebnis, das haben wir jetzt wieder gesehen. Als der Schnee gefallen ist, sind die Leute scharenweise zum Berg geströmt“, erinnert sich Breitbach, die dieses Erlebnis allerdings nicht um jeden Preis herbeiführen möchte. Als Zweckverbandsvorsitzende habe sie die Aufgabe zu schauen, wo das größte übergreifende Interesse liegt „und da ist Ski- und Wintersport ein Bestandteil, aber nicht der einzige“.

Dass es nicht einfach wird, alle Interessen der beteiligten Parteien unter einen Hut zu bringen, weiß Breitbach: „Natürlich gibt es immer unterschiedliche Wege zum Ziel und jeder Partner bringt unterschiedliche Vorstellungen mit.“ Und auch die vielen verschiedenen Zielgruppen wie Wintersportfans, Familien oder Naturfreunde stellen eine besondere Herausforderung dar. „Ich bin realistisch genug zu wissen, dass es auch mit einem gewissen Risiko verbunden ist, was wir vorhaben“, sagt sie daher. Aber: Nach den ersten persönlichen Gesprächen sei sie „wirklich zuversichtlich, dass das gelingen kann“.  

Starke Gemeinschaft am Berg

Das sieht auch Susanne Geibel, seit fünf Jahren Geschäftsführerin der Sommerrodelbahn am Erbeskopf, so: „Jeder hier am Berg ist noch immer mit dem Erbeskopf-Virus infiziert. Die Leute sind gewillt, Zeit, Know-how und auch Herzblut zu investieren.“ Die Unternehmerin ist sich sicher, dass das neue Konzept Erfolg bringend sein kann – sofern an einigen Stellen auch Geld in die Hand genommen wird.

Aus ihrer Sicht seien vor allem zwei Punkte entscheidend: eine zuverlässige und sichere Technik sowie eine optische Modernisierung der Anlagen. „Das gesamte Äußere müsste einfach mal etwas schöner gemacht werden. Man kommt hier an und steht vor einer halb verfallenen Hütte. Es müsste viel einladender sein.“

Geibel tauscht sich regelmäßig mit den anderen direkt Betroffenen wie den Betreibern des Trailparks aus. „Wir kommen zusammen, wir machen, möchten alle unsere Ideen einbringen und umsetzen. Wir haben immer Austausch hier oben.“ Dennoch gibt es bei ihrem Engagement aber eine Grenze: „Wir haben es nur gepachtet, es gehört uns nicht. Und da gibt es dann eben gewisse Punkte, wo es aufhört.“

Optimistisch in die Zukunft

Umso mehr freut sich Geibel auf den Auftaktworkshop und die künftige Zusammenarbeit mit Dr. Tamara Breitbach und dem Zweckverband. „Wir hoffen wirklich, dass Frau Breitbach, die Dinge sehr gut versteht, entsprechende Impulse aufnimmt, die Knackpunkte ausmacht, Hebel ansetzen kann und wir diese Dinge dann gemeinsam angehen können.“

Auch Tamara Breitbach selbst freut sich auf den kommenden Austausch. „Ich bin total gespannt und auch ein bisschen aufgeregt, welche Ideen und Vorschläge zusammenkommen. (…) Es ist ein bisschen wie eine große weiße Landkarte.“ Diese soll nun also nach und nach mit Angeboten für die verschiedenen Zielgruppen befüllt werden. Damit der Erbeskopf ein beliebtes Ausflugsziel bleibt – nicht nur im Winter.

Dominik Seel