MIT HERZ UND SCHNEEKANONE 

Zu Besuch beim Ski-Clu Bad Marienberg-Unnau am Schorrberg

Freitagmittag, gegen 14 Uhr, am Schorrberg in Bad Marienberg. Die Temperaturen liegen um den Gefrierpunkt, leichter Schneefall liegt in der Luft. Beste Bedingungen für das Team des Ski-Club Bad Marienberg-Unnau (SCBMU), um seine Pisten zu öffnen. Was dafür jetzt noch nötig ist? „Nicht viel. Ich schalte den Lift ein und dann kann es los gehen“, sagt der 1. Vorsitzende Marco Stalp lächelnd. Doch das ist nur ein sehr kleiner Teil der Wahrheit, denn hinter dem Skibetrieb am Schorrberg steckt eine Menge Arbeit.

Damit in Bad Marienberg überhaupt Skibetrieb möglich ist, müssen viele Faktoren erfüllt sein. Die technische Vorbereitung beginnt deshalb lange vor dem ersten Schneefall. Bereits im Herbst werden Leitungen überprüft, Schneekanonen und -lanzen gewartet und der Lift kontrolliert. Alles muss einsatzbereit sein, sobald der Winter einzieht. „Wenn drei bis vier Nächte in Folge mindestens minus drei Grad gemeldet sind, starten wir die Beschneiung. Das ist meist im Dezember der Fall“, erklärt Dominik Huth, Beisitzer des Vereins und technischer Kopf der Anlage. Zunächst wird Kunstschnee auf Vorrat produziert – eine Art Basis für die Saison. Rund 100 Stunden Beschneiung sind nötig, um die Piste vollständig herzurichten. Zwei mobile Schneekanonen und sechs fest installierte Schneelanzen kommen dabei zum Einsatz. Ist der Schnee produziert, beginnt die nächste Etappe: verteilen, planieren, verdichten. Mit der vereinseigenen Pistenraupe benötigt Huth nach eigenen Angaben etwa fünf Stunden, um die Strecke erstmals in einen optimalen Zustand zu bringen. Was für Außenstehende nach einfachem Glattziehen aussieht, ist Feinarbeit. „Schnee ist eine Wissenschaft für sich“, sagt er. Temperatur, Feuchtigkeit und Struktur entscheiden darüber, wie griffig oder hart eine Piste wird. Inzwischen wisse er ziemlich genau, wie er den Hang unabhängig von der jeweiligen Schneebeschaffenheit perfekt präparieren muss. 

Ehrenamt als Fundament 

All das funktioniert nur, weil nahezu sämtliche Arbeiten ehrenamtlich geleistet werden. „Wenn wir die Leute bezahlen müssten, wäre das nicht machbar“, betont Stalp. Daher sitzen sitzen Marco Stalp selbst und der 2. Vorsitzende Michael Huth pünktlich zur Öffnung der Skipiste im Kassenhäuschen am Fuß des Lifts. Dort verkaufen sie Tickets, geben Auskunft und wechseln ein paar Worte mit Vereinsmitgliedern und Stammgästen. Auch in der Skihütte sind schon fleißige Helfer*innen am Werk und bereiten Bratwurst und Getränke für die Gäste vor.

Stalp erklärt:

„Zwei Personen an der Kasse, mindestens zwei in der Hütte – und das in zwei Schichten. Wir brauchen also mindestens acht Ehrenamtliche pro Tag, nur um den Betrieb aufrechtzuerhalten.“


Skigebiet Schorrberg


Der Schorrberg liegt auf etwa 500 Metern Höhe und verfügt über zwei Abfahrten. Diese sind rund 400 beziehungsweise 500 Meter lang und überwinden jeweils etwa 50 Höhenmeter.  Ein Schlepplift bringt die Ski- und Snowboardfahrer*innen zurück zum Startpunkt. Für kleine und große Skianfänger*innen steht zusätzlich ein separater Übungslift zur Verfügung, der besonders für die ersten Schritte auf Skiern geeignet ist. Ungefähr auf halber Höhe, zwischen den beiden Abfahrten gelegen, befindet sich eine Skihütte, die als Treffpunkt und Versorgungsstation dient. Ein Verleih für Ski- und Snowboard-Ausrüstung besteht nicht.

Mehr Infos

Für Technik und Pistenpflege steht zusätzlich ein eigenes Team bereit. Insgesamt kann sich der Verein auf ein feste Mannschaft von 30 bis 40 Ehrenamtlichen verlassen. „Bei uns läuft alles sehr familiär ab“, sagt Stalp. Viele kennen sich seit Jahren, manche seit Jahrzehnten. „Deshalb finden wir immer noch genug Menschen, die aktiv mithelfen. Den Ehrenamtlichen kann man gar nicht genug danken – ohne sie gäbe es das alles hier nicht.“

Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit unter einem Hut

Finanziell lebt der Verein vor allem von guten Wochenenden. Unter der Woche nutzen 50 bis 100 Wintersportler*innen die Piste, an starken Wochenenden kann es das Zehnfache sein. „Unter der Woche sind es meist Mitglieder, am Wochenende etwa 70 Prozent Gäste von außerhalb“, rechnet Huth vor. Vereinsmitglieder fahren kostenlos Lift, Gäste erwerben Tages- oder Flutlichtkarten. Für aktive Wintersportler*innen rechnet sich der vergleichsweise niedrige Mitgliedsbeitrag oft schon nach wenigen Skitagen. 
Damit eine Wintersaison kein Minusgeschäft wird, braucht es mindestens zwei gute Wochenenden. Doch das Wetter bleibt ein Risiko. „Es kam schon vor, dass wir alles beschneit haben und dann Regen kam – und alles war umsonst“, berichtet Stalp. Mit wachsender Erfahrung seien sie jedoch fast zu Wetterexperten geworden und lägen immer häufiger genau richtig mit ihren Entscheidungen.  
Zudem investiert der Verein kontinuierlich in moderne Technik: Eine neue Schneekanone beispielsweise erzeugt mit gleicher Strommenge doppelt so viel Schnee. „Außerdem können wir so die Pistenvorbereitungen schneller abschließen“, ergänzt Huth. 
Strom ist ohnehin der größte Kostenfaktor für den Verein. „Wir achten darauf, grünen Strom zu nutzen“, sagt Stalp. Auch beim Wasser setzt der SCBMU auf einen geschlossenen Kreislauf: Es stammt aus dem Mühlgraben am Fuß des Berges und fließt nach der Schneeschmelze wieder dorthin zurück. Der Kunstschnee bleibt also Teil des natürlichen Wasserkreislaufs. 
Mit Einbruch der Dunkelheit gehen an der Strecke die Flutlichter an. Der Hang liegt im hellen Schein, während weiter Ski gefahren wird. Um 21 Uhr endet an diesem Freitag der offizielle Betrieb – zumindest auf der Piste. In der Skihütte herrscht allerdings noch Hochbetrieb, denn hier findet eine der beliebten Après-Ski-Partys statt, die dafür sorgt, dass der Winterabend stimmungsvoll ausklingt. 
Normalerweise würde nach Betriebsschluss noch einmal die Pistenraupe ausrücken, um den Hang für den nächsten Tag wieder optimal vorzubereiten. Doch diesmal ist die Wetterprognose eindeutig: Zweistellige Plusgrade sind angekündigt – vermutlich war es der letzte von insgesamt 27 Skitagen dieser Saison am Schorrberg. 

Mehr als nur Skibetrieb 

Gegründet wurde der SC Bad Marienberg-Unnau 1969, heute zählt er rund 600 Mitglieder – etwa die Hälfte davon Kinder und Jugendliche. Seinen Mitgliedern bietet der Verein weit mehr als den reinen Liftbetrieb. Eine vereinseigene Skischule richtet sich an Kinder und Erwachsene, zudem gibt es eine Rennsportabteilung – auch wenn man mit den großen Skivereinen der südlichen Bundesländer nicht konkurrieren kann. Im Winterhalbjahr findet zusätzlich wöchentlich Skigymnastik in der Concordiahalle in Unnau statt. 
Seit den 1970er-Jahren organisiert der Verein außerdem jährlich eine Kinderskifreizeit ins Stubaital. Lange Zeit fand sie im Oktober statt, inzwischen wurde sie wegen zunehmend unsicherer Schneeverhältnisse in die Osterferien verlegt.  
Und auch im Sommer bleibt der Hang nicht ungenutzt: Seit knapp zehn Jahren wird die Strecke regelmäßig als Mountainbike-Park mit Liftbetrieb genutzt. Dafür müssen unter anderem alle Bügel am Lift ausgetauscht werden. Mittlerweile verfügt der Verein sogar über einen eigenen Bagger, um auch die Mountainbike-Strecken instand zu halten. Zwei große Veranstaltungen sorgen für verlässliche Einnahmen, sodass auch der Sommerbetrieb wirtschaftlich tragfähig ist. 

Optimismus für die Zukunft 

Trotz aller Herausforderungen – steigende Kosten, schwankende Winter, unsichere Prognosen – blickt der Ski-Club Bad Marienberg-Unnau optimistisch nach vorn. Mit moderner Beschneiungstechnik, wachsender Erfahrung und einer erfreulich guten Altersstruktur sowohl unter den Helferinnen und Helfern als auch im Vorstand sieht sich der Verein gut aufgestellt. Die Verantwortlichen sind überzeugt, auch künftig regelmäßig Skibetrieb am Schorrberg anbieten zu können – getragen von Technik, Teamgeist und einer großen Portion ehrenamtlichem Engagement. 

Dominik Stuntz

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