
„Ich kann wirklich nicht ohne“
Aus der Rheinwelle in die Nationalmannschaft – Mathis Schönung im Interview
„Jetzt bin ich endlich mal angekommen. Ich bin ein Teil der Nationalmannschaft.“
Mathis Schönung im Gespräch mit SPORT Rheinland-Pfalz Redaktionsleiter Dominik Seel
Du hast es gerade schon gesagt – Du trainierst inzwischen am Olympiastützpunkt in Heidelberg. Was waren letzten Endes die ausschlaggebenden Gründe für den Wechsel?
Mir wurde ein Wechsel schon immer nahegelegt. Und ich habe auch früher schon mal nachgedacht, ins Internat nach Heidelberg zu gehen. In den letzten Jahren haben mir mehrere Bundestrainer gesagt, dass, wenn ich wirklich weitermachen und vorankommen will, ich an einen Stützpunkt gehen muss. Und mit dem neuen Trainer da komme ich super klar. Seine Methoden sind sehr modern und wissenschaftlich. Er erklärt einem, was und vor allem auch warum man bestimmte Dinge tut. Es funktioniert extrem gut mit ihm.
Haben die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles bei deiner Entscheidung auch eine Rolle gespielt?
Ja klar, das hat auch eine Rolle gespielt. Ich habe mir gedacht, wenn ich nach Heidelberg gehe, dann muss ich jetzt wechseln. Wenn ich später wechsele und die Adaption an das neue Trainingssystem länger dauert als gedacht, dann habe ich ein Problem. So habe ich zwei volle Jahre bis zur Olympiasaison und eine Base, die ich aufgebaut habe. Zum Glück hat es jetzt sogar extrem schnell funktioniert und ich kann darauf weiter aufbauen.
Will immer hoch hinaus - der rheinland-pfälzische Schwimmsportler Mathis Schönung
Du bist jetzt seit rund einem Jahr in Heidelberg – wo liegen denn die größten Unterschiede im Training?
Zum einen ist alles an einem Ort. Das Schwimmbad ist im Keller, da habe ich direkt meinen eigenen Spind, wo alle meine Sachen drin sind. Dann muss ich nur die Treppen hochgehen und bin im Kraftraum, wo auch Athleten aus anderen Sportarten wie Rugby oder Ringen drin sind. Das ist einfach geil. Du bist wirklich unter gleichgesinnten Leuten. Und natürlich das alles für mich gemacht wird. Ich muss mir keine Gedanken mehr machen, wann ich was mache. Ich habe einen gesetzten Plan, ich habe eine gesetzte Routine. Ich weiß, wann ich was in welcher Einheit mache. Und trotzdem kann ich immer nachfragen, warum das so ist, und bekomme es dann erklärt.
„Ich war im Winter viel krank, mein ganzer Körper hat sich eine Woche vor dem Wettkampf echt schwer angefühlt hat.“
Wie ist denn eigentlich die Aufteilung zwischen tatsächlichem Training im Becken und im Kraftraum?
Wir sind auf jeden Fall viel mehr im Becken. Ich würde sagen so ca. 70 Prozent Becken und 30 Prozent alles andere. Also es gibt auch Sportler, die gehen immer moderner an die Sache ran. Der Weltrekordhalter über 50 Meter Freistil schwimmt, meine ich, rund fünf Kilometer pro Woche – so viel schwimme ich in einer Trainingseinheit. In Magdeburg werden sogar zehn Kilometer geschwommen. Und dazu kommt ja noch das Aufwärmen vor dem Training und das Dehnen danach.
Wir haben vorhin über die Olympischen Spiele 2028 gesprochen. Liegt da schon dein aktueller Fokus drauf?
Ich denke in Etappen. Wenn ich mir einfach nur das Ziel setze, bei Olympia zu schwimmen, bringt mir das nicht viel. Meine letzte Etappe war die EM-Qualifikation. Da hatte ich wirklich Zweifel im Vorfeld. Ich war im Winter viel krank, mein ganzer Körper hat sich eine Woche vor dem Wettkampf echt schwer angefühlt hat. Aber diese Etappe bin ich jetzt gegangen und nächstes Jahr steht dann die WM an. Und erst dann kommen die Olympischen Spiele
Im April gewann Schönung den Deutschen Vize-Titel über 200 Meter Brust
Wie sieht deine Vorbereitung auf diese Etappen aus? Volle Attacke oder doch eher vorsichtig mit Rücksichtnahme auf deinen Körper?
Ich habe schon gemerkt, dass ich mich gerne mal ein bisschen übernehme. Aber im Prinzip gibt es in dem System, wo ich jetzt gerade drin bin, gar nicht die Möglichkeit, dass ich meinen Körper krass überbelasten kann. Und durchpowern kann ich sowieso nicht, da ich immer irgendwelche kleinen Dinge wie Schulter oder Hüfte habe. Die würde ich dann nämlich kaputt machen. Ich lerne immer mehr, wirklich auf meinen Körper zu hören, gerade wenn ich nach einer Verletzung wieder ins Training einsteige. Das erwartet mein Trainer aber auch von mir, selbst einzuschätzen, wie stark ich mich belasten kann.


