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Die Pommes sind gegessen, der Geschmack des Sommers bleibt. Doch beim Blick auf die Schwimmbadlandschaft in Rheinland-Pfalz bleibt mancherorts ein bitterer Beigeschmack zurück. 

Was passiert, wenn Schwimmbäder verschwinden, Wasserflächen fehlen und immer weniger Kinder sicher schwimmen lernen? Zwischen Badespaß, Breitensport und gesellschaftlicher Verantwortungsteht Rheinland-Pfalz vor großen Herausforderungen. 

Eine Bestandsaufnahme.

GEHT RHEINLAND-PFALZ BADEN?

So steht es um unsere Schwimmbäder


Insgesamt 214 Schwimmbäder* in Rheinland-Pfalz locken die Besucher*innen Jahr für Jahr in die Becken. Im Vergleich zum Bundesdurchschnitt gibt es sogar deutlich mehr Freibäder. Auch bei den Schulschwimmhallen liegt die Zahl in unserem Bundesland etwas höher als der Durchschnitt. So vielversprechend sich diese Werte anhören, gilt an vielen Stellen leider das Sprichwort: Es ist nicht alles Gold, was glänzt.“

Die Schwimmbadlandschaft in Rheinland-Pfalz sei, wie David Proft, Präsident des Deutschen Schwimm-Verbandes und Vorsitzender des SF Gimbsheim, erklärt, stark wellengeprägt. Angefangen habe der Ausbau vor allem in den 1970er Jahren. Um Touristen anzulocken und die klammen Kassen zu füllen habe man damals vor allem in beliebten Regionen zahlreiche Freibäder gebaut. „Alle diese Bäder sind jetzt ziemlich in die Jahre gekommen“, so Profit. Gleichzeitig blieben im Laufe der Jahre Neubauten sowie eine notwendige Sanierungswelle Ender der 1990er Jahre allerdings aus: „Die Kommunalfinanzen waren zu dieser Zeit einfach miserabel.“ Die Folgen bekomme man laut Profit nun deutlich zu spüren: „Die Kommunen stehen nun erneut mit dem Rücken an der Wand und überlegen, Bäder zu schließen.“ Gerade weil Bäder „Teil unserer Identität“ seien, drohe mit jeder Schließung ein erheblicher Verlust für die Regionen.

Fehlende Planung verstärkt strukturelle Probleme

Als zentrales Defizit benennt Profit die fehlende Gesamtstrategie. „Wir haben leider keinerlei Planung“, bemängelt der DSV-Präsident und führt die aktuell zahlreich durchgeführten Sanierungen von Bädern im Raum Rheinhessen als ein Beispiel an: „Das ist erstmal natürlich gut. Aber die sind zeitlich nicht abgestimmt, sodass die Vereine auf dem Trockenen sitzen.“ Auch die Versorgung mit Wasserflächen sei extrem ungleich verteilt, vielerorts unzureichend: „Es gibt eigentlich fast keinen Schwimmverein, der sagt: Wir haben ausreichend Wasserflächen.“ Man müsse daher strategisch schauen, „wo die Lücken sind“ und im Härtefall entscheiden: „Was erhält man und was muss nicht unbedingt erhalten werden? Das gehört auch zur Wahrheit.“ Parallel werde die Verantwortung dafür vom Land weitgehend auf die Kommunen abgeschoben, ohne verbindliche Leitlinien. Besonders deutlich wird der Nachholbedarf im Leistungssport: „Es ist beschämend, dass unsere Landesmeisterschaften im Saarland stattfinden müssen.“ Während es bei unseren Nachbarn gleich mehrere wettkampftaugliche 50-Meter-Hallenbad vorhanden sind, gibt es in Rheinland-Pfalz kein einziges dieser Art.

Gesellschaftliche Folgen und finanzieller Druck

Die Auswirkungen reichen weit über den Sport hinaus. „Wir haben einen massiven Verlust in der Schwimmfähigkeit“, warnt Profit, und ergänzt: „Wir sind dabei, eine Kulturtechnik zu verlieren, die so wichtig ist wie Lesen, Rechnen und Schreiben.“ Bäder seien Grundlage für Bildung, Gesundheit und Teilhabe. Gleichzeitig stehen sie unter enormem finanziellem Druck. „Schwimmbäder sind Infrastruktur, die wir über Steuergelder finanzieren“, betont Profit, doch oft werde ein kostendeckender Betrieb ohne Zuschüsse erwartet. Dann wären allerdings Eintrittspreise von etwa 30 Euro notwendig – mit sozialen Folgen. „Die Eintritte dürfen nicht sozial selektiv sein“, mahnt er. Personalmangel verschärft die prekäre Situation noch einmal zusätzlich.

Ziel: Gemeinsame Planung statt blindem Aktionismus

Um diese Probleme in den Griff zu bekommen, müsse man es schaffen, dass Bäder künftig Teil der Landessplanung und des kommunalen Finanzausgleichs werden. Anschließend müsse man ganz genau überlegen, „welche Schwimmbäder wir in Rheinland-Pfalz brauchen oder wo welche gebaut werden müssen“, so Profit, der sich – neben einem 50-Meter-Hallenbadbecken – zudem eine Entbürokratisierung bei der Beantragung von Förderungen wünscht: „Das ist wirklich sehr viel, was da zu tun ist. Für einen Verein eigentlich kaum zu stemmen.“

Mobile Becken? Kurzfristig gut, aber …

Alternative Möglichkeiten wie mobile Schwimmbecken sind für den Gimbsheimer Vorsitzenden als kurzfristige Lösung zwar aus Kosten und organisatorischen Gründen oftmals sinnvoll. „Aber wir brauchen zuverlässige Lehrschwimmbecken und wir brauchen zuverlässige Hallenbäder, damit die Kinder sicher schwimmen lernen. Das schafft kriegt man nicht mit einem Schwimmcontainer und auch nicht mit einem Aufstellbecken.“

„Tief in Gesellschaft verwurzelt“

Am Ende gehe es, so Profit, aber um weit mehr als um Wasserflächen und Investitionszahlen. Es gehe um Orte, „für die viele Menschen brennen“ – um lachende Kinder im Becken, um Begegnung, Bewegung und Lebensqualität für alle Generationen. Gerade deshalb dürfe man jetzt nicht den einfachen Weg gehen und Bäder aufgeben, sondern müsse den Mut haben, sie gemeinsam zu erhalten und weiterzuentwickeln – damit Rheinland-Pfalz auch in Zukunft ein Land bleibt, in dem Schwimmen „tief in der Gesellschaft verwurzelt ist“.


Hintergrund: Interview mit David Profit

Er kennt sich aus im rheinland-pfälzischen Schwimmsport – David Profit ist nämlich nicht nur Präsident des Deutschen Schwimmverbandes (DSV), sondern auch Vorsitzender des hiesigen Vereins SF Gimbsheim. Im Interview spricht der 50-Jährige über die allgemeine Situation der Schwimmbäder in unserem Bundesland und warnt vor einen schweren Fehler.

Zwischen Anspruch und Stillstand

Im Jahr 2020 wurde das Positionspapier "Kulturgut Schwimmen in Rheinland-Pfalz erhalten" als vermeintlicher Masterplan veröffentlicht. Was ist sechs Jahre später davon noch übriggeblieben? Wir sind der Sache auf den Grund gegangen.

Zum Bericht

Schwimmen lernen: 
Eine Fähigkeit fürs (Über)Leben

Warum immer weniger Kinder sicher schwimmen können – und was die DLRG dagegen tut

„Ich kann wirklich nicht ohne“

Aus der Rheinwelle in die Nationalmannschaft – Mathis Schönung im Interview


Mathis Schönung ist eine der größten deutschen Schwimm-Hoffnungen für die kommenden Jahre. Der 22-Jährige von der SG EWR Rheinhessen hat sich von der Rheinwelle an einen Olympiastützpunkt hoch geschwommen und will künftig international für Furore sorgen. Nur hier in unserer Digitalvariante lest ihr das komplette Interview mit ihm.

Zwei Bäder, zwei Wege, ein Ziel

Vereine als Schwimmbadbetreiber: Best-Practice-Beispiele aus RLP im Vergleich

Sport ist vielfältig, bietet zahlreiche Möglichkeiten und kann von den unterschiedlichsten Menschen an den verschiedensten Orten ausübt werden. Dabei können aber auch schnell zahlreiche potenzielle Gefahrensituationen entstehen, wie dieses Wimmelbild der Sportjugend Hessen in Zusammenarbeit mit dem Hessischen Ministerium für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege verdeutlicht.

Hilfestellungen durch Trainer*innen, gemeinsames Duschen und Körperkontakt gehören bei fast jeder Sportart genauso dazu, wie gemeinsamer Erfolg, Ehrgeiz und Leidenschaft. Doch speziell durch diese Körperzentriertheit oder durch die besondere Leistungsorientierung im Sport können jedoch auch potenzielle Gelegenheiten für Grenzüberschreitungen oder Gewalt entstehen. In diesem Wimmelbild sind zahlreiche solcher Situationen abgebildet. An manchen Stellen werden sie gut gelöst, in anderen besteht Handlungsbedarf. 

Einen Lösungsansatz findest du im Spielfeld

Die Bedeutung von Schutzkonzepten

Trainingsplan gegen sexualisierte Gewalt 
im Sport

Ein Gastbeitrag von Kerstin Claus, Unabhängige Bundesbeauftragte gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen (UBSKM), zum Thema Schutzkonzepte für Kinder und Jugendliche.

HILFE FÜR OPFER & PRÄVENTION FÜR ALLE

Wie auch Sportvereine vom Angebot des WEISSEN RINGS profitieren können

UNABHÄNGIG. 
VERTRAUENSVOLL. 
UNVERZICHTBAR.

Safe Sport e.V. als Anlaufstelle für Betroffene


Der Verein Safe Sport steht für Schutz, Verantwortung und Transparenz im Sport. Als Träger der bundesweiten Unabhängigen Ansprechstelle unterstützt der Verein Betroffene interpersonaler Gewalt – vertraulich, professionell und unabhängig von sportinternen Strukturen.

Gegründet wurde Safe Sport e.V. im November 2022 auf Beschluss der Sportministerkonferenz. Ziel des Vereins ist die Förderung eines gewaltfreien Sports durch die Bereitstellung unabhängiger Hilfe für Betroffene sexualisierter, psychischer und physischer Gewalt sowie deren Umfeld. Zu den Gründungsmitgliedern zählen der Bund, die 16 Länder, Athleten Deutschland e.V., eine Vertretung aus dem Betroffenenrat der UBSKM und die Wissenschaft.

Der Verein vertritt eine klare Haltung: Gewalt im Sport ist kein individuelles Randproblem, sondern Ausdruck struktureller Missstände. Betroffene brauchen Schutz, der unabhängig, verlässlich und rechtssicher ist – jenseits von Loyalitäten und Abhängigkeiten innerhalb des Sportsystems.

Die Unabhängige Ansprechstelle

Herzstück der Vereinsarbeit ist die Unabhängige Ansprechstelle Safe Sport. Sie berät bundesweit Kinder, Jugendliche und Erwachsene ebenso wie Eltern, Unterstützer*innen und Verantwortliche aus Vereinen und Verbänden. Die Beratung ist kostenlos, anonym und niedrigschwellig zugänglich. Ein besonderes Merkmal ist die enge Verzahnung von psychologischer und juristischer Beratung, die Ratsuchenden Orientierung, Entlastung und Handlungssicherheit bietet.

Einblick Jahresbericht 2025

Der Jahresbericht 2025 macht deutlich, wie stark das Angebot inzwischen genutzt wird. Die Zahl der Beratungsanfragen steigt seit der Aufnahme des Betriebs kontinuierlich. Die Fälle betreffen nahezu alle Sportarten, kommen aus allen Bundesländern und überwiegend aus dem Breiten- und Wettkampfsport. Damit unterstreichen die Zahlen den hohen Bedarf an unabhängiger Unterstützung.

Bedeutung für organisierten Sport

Safe Sport e.V. ist ein wichtiger Partner. Der Verein hat sich als zentrale Anlaufstelle für Betroffene interpersonaler Gewalt im Sport und ihr soziales Umfeld etabliert. Durch die Beratung werden Betroffene, Angehörige und weitere Ratsuchende in ihrer Handlungskompetenz gestärkt und damit ein wesentlicher Beitrag zur Intervention und Prävention geleistet. Safe Sport e.V. leistet damit einen zentralen Beitrag, um Vertrauen zu fördern und den Sport als sicheren Raum für alle zu gestalten.

"HOLT EUCH PROFIS IN DEN VEREIN"


Was Judo-Trainer Siegbert Geuder von Kim Chi Mainz anderen Vereinen beim Thema Gewaltprävention rät.

HINSEHEN, HANDELN, SCHÜTZEN

Ein Statement von DOSB & dsj

Sportvereine sind Räume für Bewegung, Gesundheit, Gemeinschaft, Emotionen, Begegnung, Bildung und Partizipation. Besonders für Kinder und Jugendliche sind sie wichtige Lernorte der sportlichen und persönlichen Entwicklung und damit zentral für ein gesundes Aufwachsen. Damit Sportvereine diese wichtigen Orte, insbesondere für junge Menschen, sein können, müssen sie sichere Räume bieten. Das Ziel ist klar: Alle sollen Sport sicher und gewaltfrei ausüben können.

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