"Anpacken statt reden – das gelingt im Wesentlichen"
Riesengroß, attraktiv und pfiffig: Der SF Gimbsheim ist ein ganz besonderer Schwimmverein
Seit einem Vierteljahrhundert erhält der SFG das Freibad Gimbsheim als Zuhause für Schwimmsport, Gemeinschaft und Erholung. Das 25-Stunden-Schwimmen am 13./14. Juni war eine essenzielle Spendenaktion für die anstehende Sanierung des Schwimmerbeckens. Das Event startete samstags um 10 Uhr und endete sonntags um 11 Uhr im 50-Meter-Becken des Freibads Gimbsheim. Eingeladen war die gesamte Region – vom Hobbyschwimmer über Familien bis hin zu ambitionierten Triathleten, die einzeln oder in Teams für den guten Zweck Bahnen sammelten. „Eine echte Gemeinschafts-Challenge“, schwärmt SFG-Boss David Profit, früher Staatssekretär und heute nebenbei auch noch Präsident des Deutschen Schwimmverbandes (DSV) ist. „Weil mit jeder geschwommenen Bahn unser Hauptsponsor, der Gewinnsparverein der Sparda-Bank Südwest, einen Euro gespendet hat.“ Bei insgesamt rund 200 Teilnehmer*innen und mehr als 7.500 Bahnen (375 Kilometer) kamen so am Ende bemerkenswerte 20.800 Euro für die dringend notwendige Sanierung zusammen.
Aktuell zählt der SFG stolze 5.436 Mitglieder. Ist damit der fünftgrößte Sportverein in RLP. Und der größte im rein ländlichen Raum. Die demografische Verteilung ist spannend. Mehr Frauen als Männer. 30 Prozent sind unter 18. Ein guter Anteil ist über 65 Jahre. Das Durchschnittsalter: 36 Jahre. „Wir sind ein Rheinhessenverein“, erläutert Profit. „Unsere Mitglieder kommen aus dem Dreieck Alzey, Worms und Bodenheim. Als klassischer Breitensportverein liegt unser absoluter Fokus auf dem Freizeitsport und dem gesundheitsorientierten Eigentraining. Aber auch ein Weltmeister im Duathlon gehört zu uns.“
„Es ist völlig verrückt, das zu machen – und geht nur aufgrund großer Liebe zu dem Verein, mit einem guten Team und einer guten Fehlerkultur.“
David Profit
über seine Tätigkeit als 1. Vorsitzender
Das Amt des Vorsitzenden hat der 50-Jährige anno 2017 vom Gründungsvorsitzenden und Ehrenmitglied Dr. Eugen Oswald übernommen. Der hatte ihn damals als seinen Wunschnachfolger vorgeschlagen. „Ich habe mal in Gimbsheim gewohnt und bin jetzt aber in Wiesbaden und Oppenheim zu Hause“, verrät Profit. „Der Vorsitz ist ein unentgeltliches Ehrenamt mit viel Verantwortung, mit Haftungsrisiken und rund 700 Stunden Zeitaufwand im Jahr. Es ist völlig verrückt, das zu machen – und geht nur aufgrund großer Liebe zu dem Verein, mit einem guten Team und einer guten Fehlerkultur. Mir gefällt, dass wir diesen Ort gemeinsam hüten und weiterentwickeln.“ Der gebürtige Ludwigshafener findet es wichtig, „dass wir wieder zu einer Schwimmfähigkeit bei 90 Prozent der Bevölkerung in Rheinhessen kommen“. Beim SFG habe er viel gelernt, könne gestalten und mit etlichen sehr gemeinwohlorientierten Ehrenamtlichen in einer guten Gemeinschaft zusammenarbeiten. Wörtlich sagt der Jurist: „Das sind großartige Menschen hier. Bei uns gilt das Prinzip: Das Freibad gehört keinem Einzelnen, sondern wir alle erhalten es zusammen. Es müssen aber auch immer mal wieder Persönlichkeiten in die Schranken gewiesen werden, die wenig beitragen wollen, aber sich erhoffen, dass ein Amt bei uns Status und Privilegien bringt.“
Aus der Taufe gehoben wurde Schwimmverein Freibad Gimbsheim e.V. am 5. Februar 2001 im Zuge einer emotionalen Gründungsversammlung in dem 3.200-Seelen-Ort 15 Kilometer nördlich von Worms. Auslöser war ein massiver Bürgerprotest gegen die von der Verbandsgemeinde Eich geplante Schließung des Freibads. Angeführt von engagierten Bürgern rund um Dr. Eugen Oswald formierte sich eine Bewegung, die den Badbetrieb eigenverantwortlich übernahm. „Das ist jetzt seit 2001 gelungen und wir sind auch ein Sportverein mit vielfältigen Angeboten“, so Profit, dem die Schwimmkurse ganz besonders am Herzen liegen. Nach den größten Erfolgen des Vereins befragt, betont David Profit: „Der mit Abstand größte historische Erfolg ist, dass wir die Lebenszeit des Freibads Gimbsheim um mittlerweile 25 Jahre verlängert haben. Der SFG muss das Freibad und die Vereinsarbeit finanziell, organisatorisch und menschlich tragen. Der Erhalt eines Bades und die vielen Angebote brauchen viele, die anpacken statt reden. Das gelingt im Wesentlichen.“ Seit Profit an der SFG-Spitze steht, hat der Verein mehr als 2.000 neue Mitglieder gewonnen. Auch an Ehrenamtlichen herrscht kein Mangel.
Der SFG hat das Sportangebot ausgebaut, schwimmt nun sogar mit einer Abteilung im Winter im Freien. „Wir führen aktuell fünf spezialisierte Abteilungen – Breitensport, Wassergymnastik, die Schwimmakademie, Sportabzeichenabteilung, Eisschwimmen sowie unsere IT-Abteilung, die im Hintergrund mit einer digitalen Infrastruktur wirkt“, erzählt Profit. „Breitensport ist eine allgemeine Abteilung, aus der neue Sportangebote entstehen sollen. Die anderen Sportabteilungen verantworten bewährte Sportangebote für einzelne Zielgruppen. Eisschwimmen ist die jüngste Sportabteilung. Ich würde inzwischen eher von Ganzjahresschwimmen sprechen, das bei uns aktuell 35 Mitglieder gesund, achtsam und in einer herzlichen Gemeinschaft pflegen. Das Baden im Winter boomt – in Seen, Tonnen auf Terrassen oder umgebauten Tiefkühltruhen. Unser Ziel ist tatsächlich, dass Freibäder in Kooperation mit einem Schwimmverein auch im Winter öffnen können.“ Der DSV hat Verantwortung für diese Sportart übernommen. Die Deutsche Gesellschaft für das Badewesen prüft gerade die SFG-Initiative für Freibäder.
Stolze 20.800 Euro "erschwammen" die rund 200 Teilnehmer*innen mit mehr als 7.500 (375 Kilometer) zurückgelegten Bahnen beim 25-Stunden-Schwimmen des SFG.
„Wir bieten einerseits im Sommer für alle Mitglieder ein zeitlich flexibles Schwimmangebot an 15 Stunden am Tag“, macht Profit deutlich. „Und das wird ergänzt durch sehr spezialisierte besondere Angebote, wie Schwimmkurse, Triathlon, Sportabzeichen, Reha-Sport oder Eisschwimmen. Das Ganze gibt es für vergleichsweise recht günstige Beiträge. Unsere Mitgliedsbeiträge sind bewusst niedrig und familiengerecht gestaltet, wodurch der Zugang zum Schwimmsport für jeden offenbleibt. Hinzu kommt das emotionale Gefühl, nicht nur Konsument zu sein, sondern durch den eigenen, kleinen Beitrag aktiv am Erhalt einer wertvollen Freizeitoase mitzuwirken.“
Dass der SFG solch eine tolle Entwicklung genommen hat, hat auch viel mit Corona zu tun. „Wir konnten bei jeder Lockerung der strengen Corona-Regeln schnell öffnen, da wir immer schon etwas früher sichere Hygienekonzepte vorbereitet hatten“, so Profit. „Während viele Sporthallen, Sportplätze und Fitnessstudios langfristig schließen mussten, hat unser weitläufiges Freibad unter freiem Himmel einen sicheren Rückzugsort für das individuelle Eigentraining geboten. Das hat uns viel Anerkennung, Dankbarkeit und neue Mitglieder gebracht. Die Lage der Corona-Wege war noch jahrelang auf Luftbildern auf der Wiese erkennbar.“
Auf die Frage, welche Sorgen/Nöte/Probleme seinem Verein zu schaffen machen, antwortet der SFG-Chef: „Wir haben technische Themen und menschliche Themen. Unsere aktuell größte Sorge sind spürbare Wasserverluste im Schwimmerbecken, die uns akut zum Handeln zwingen. Unsere bei vielem bewährte Methode, die Dinge möglichst preiswert und mit Bordmitteln zu stemmen, hat bei Projekten in den letzten drei Jahren an einigen Stellen nicht mehr funktioniert. Wir haben daher für die absehbare Millioneninvestition in einer Machbarkeitsstudie verschiedene Varianten für die Sanierung prüfen lassen. Jetzt liegen uns drei Vorschläge vor mit Schätzungen für die Baukosten zwischen 4,9 und 5,4 Millionen Euro. Die ebenso wichtigen dauerhaften Betriebskosten lassen wir gerade rechnen. Da die Energiekosten in den letzten drei Jahren um 50 Prozent gewachsen sind, müssen wir dringend eine PV-Anlage bauen. Im letzten Jahr ging unser Generalunternehmer insolvent, was jetzt zusätzliche Arbeit statt Sonnenstrom macht – nun sitzt ein Fachplaner am zweiten Anlauf.“
Fachleute beauftragen und bezahlen. Das wird auch der Weg bei der Beckensanierung sein, wenn der SFG eine Förderung erhält und den notwendigen Eigenanteil tragen kann. Das alles aus dem Ehrenamt heraus zu stemmen – also die Sachlagen richtig zu prüfen, zu verstehen. den richtigen Anbieter zu finden, mit ihm das Projekt voranzutreiben und gleichzeitig im Verein überbordende Wünsche, die hohe Emotionalität und Ängste bei großen Investitionen zu moderieren – ist na klar eine gewaltige Herausforderung. „Bei einigen dürfte es nur nach ihrem Kopf gehen“, sagt Profit mit nachdenklicher Miene. „Sie wollen sich nicht mit Fakten beschäftigen, werden aber lautstark und akzeptieren andere Mehrheitsentscheidungen nicht. Wir erleben also auch im Verein, wie gnadenlos und wenig faktenorientiert die Gesellschaft im Umgang miteinander geworden ist. Darauf ist man als Ehrenamtlicher nicht vorbereitet.“

