Zwei Bäder, zwei Wege, ein Ziel

Vereine als Schwimmbadbetreiber


In Rheinland-Pfalz gibt es viele grandiose Schwimmbäder. Einige werden direkt von Vereinen betrieben. Nicht aus Jux und Dollerei, sondern weil die Bäder (nur) so erhalten werden konnten. Neben dem Schwimmverein Freibad Gimbsheim, von dem an anderen Stellen in diesem Heft ausführlich die Rede ist, haben hier auch der Mainzer Schwimmverein 01 (MSV) und der Schwimmverein Dickendorf 1931 im Westerwald für positive Schlagzeilen gesorgt.

Auf den ersten Blick könnten die Unterschiede kaum größer sein. Hier das große Schwimmbad „Am Großen Sand“ in Mainz-Mombach mit Hallenbad, Traglufthalle und einer der größten Schwimmschulen Deutschlands. Dort das idyllische Freibad Dickendorf im Westerwald, das seit fast 100 Jahren von einem Dorfverein getragen wird. Und doch verbindet beide Bäder eine zentrale Gemeinsamkeit: Ohne den Einsatz ihrer Vereine gäbe es sie heute vermutlich nicht mehr.

Bürgerbegehren und Grundsteinlegung – wie alles begann

Der Mainzer Schwimmverein 1901 betreibt das Mombacher Schwimmbad „Am Großen Sand bereits seit 2006 in Eigenverantwortung. Und zwar ziemlich erfolgreich. „2005 gab es einen Stadtratsbeschluss, dass das Mombacher Bad geschlossen wird – weil die Wirtschaftlichkeit nicht mehr vorhanden war“, öffnet Torsten Traxel, MSV-Boss und zugleich Geschäftsführer der Schwimmbad Mainzer Schwimmverein gGmbH, die das Schwimmbad im Arbeiterstadtteil Mombach betreibt, die Gedächtnisschublade. Was folgte. war ein Bürgerbegehren. „Aufgrund dieses Bürgerbegehrens durfte das Bad nicht geschlossen werden, die Stadt musste es ausschreiben“, so Traxel. Der MSV beteiligte sich mit einem Konzept an der Ausschreibung. Und erhielt zu seiner eigenen Überraschung den Zuschlag. Zum Konstrukt erläutert Traxel: „Es gibt einen Konzessionsvertrag mit der Stadt Mainz. Eigentümer von allem ist nach wie vor die Stadt. Wir sind der Betreiber. Wir zahlen keine Pacht. Wir bekommen einen Zuschuss, der ein Drittel dessen beträgt, was die Stadt im Jahr 2006 an Kosten für das Bad hatte. Damit ist auch der gesamte Schulsport schon abgegolten.“

Wir fiebern schon unserem Hundertjährigen entgegen.

Jaqueline Hüsch - 2. Vorsitzende SV Dickendorf 1931

Ganz anders sieht die Schwimmbad-Geschichte in Dickendorf aus. „Wir fiebern schon unserem Hundertjährigen entgegen“, erläutert Jaqueline Hüsch, 2. Vorsitzende des Schwimmverein Dickendorf 1931. Die Jahreszahl im Vereinsnamen steht für das Jahr der Vereinsgründung und der Grundsteinlegung des Freibads Dickendorf. Dort, wo zwei Bäche zusammenfließen, haben sich 1931 einige Einwohner*innen zusammengetan und mit großen Steinen ein Becken aufgeschichtet. Gleichzeitig gründeten sie den Verein als Betreiber des Bades. Bis heute ist das idyllisch gelegene Freibad fest in Vereinshand.

Im Laufe der Jahrzehnte wurde das Freibad immer weiter modernisiert. Aus den aufgeschichteten Steinen wurde schon bald ein betoniertes Becken, aus dem Bachwasser, mit dem das Schwimmbad ursprünglich befüllt wurde, wurde Leitungswasser. „Da hat das Gesundheitsamt irgendwann etwas dagegen gehabt“, schmunzelt Hüsch. Nach und nach entstand so die Anlage, wie man sie heute kennt: ein 38 mal 17 Meter großes Becken mit Schwimmer- und Nichtschwimmerbereich inklusive Rutsche, ein Kinderbecken und eine 3.800 Quadratmeter Liegewiese inmitten von Natur und Vogelgezwitscher.

Während in dem 350-Einwohner-Dorf im Landkreis Altenkirchen die Vereinsgeschichte nahezu deckungsgleich mit der Geschichte des Schwimmbads verläuft, musste sich das Mainzer Modell erst entwickeln.