Künstliche Intelligenz
Endgegner oder Cheatcode?
Herzlichen Glückwunsch, ihr seid im letzten Level angekommen. Hier erklären Prof. Dr. Christoph Buck, Carl Luippold und Moritz Rindermann vom Digital Sports Lab, wie künstliche Intelligenz zum Gamechanger werden kann.
Nach Vereinsmanagementsoftware, digitaler Zusammenarbeit und interner Kommunikation folgt das, von vielen Breitensportvereinen als Champions League der Digitalisierung wahrgenommene, anspruchsvollste Level dieses Spiels. Künstliche Intelligenz (KI) erscheint oft als zu komplex, zu abstrakt, weit entfernt von Vereinsalltag und Ehrenamt und damit im Amateur- und Breitensportumfeld nicht umsetzbar. Trotzdem wächst das Interesse an automatisierten Lösungen, denn das Ehrenamt wird weniger, Nachwuchs für Vorstände ist schwer zu finden, die Aufgaben werden komplexer und Vereinsmitglieder immer anspruchsvoller.
KI im Vereinskontext beschreibt digitale Systeme, die Informationen bündeln, auswerten und teilweise selbstständig verarbeiten. Dadurch kann bspw. die Vereinsverwaltung erleichtert werden, etwa bei Trainingsplanung und Trainingsoptimierung, bei der Hallen- und Ressourcenplanung, bei der Einhaltung von Regelwerken oder in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Vorschläge und Inhalte werden vorbereitet, während Entscheidung, Handlung und finale Kuration beim Verein bleiben. Während frühere Digitalisierungsstufen vor allem ein Geschwindigkeitsboost waren, kann KI wie ein Fähigkeitsupgrade wirken und neue Handlungsspielräume eröffnen.
Der Einstieg in KI ist oft einfacher als gedacht.
Viele Anwendungen, insbesondere generative Sprachmodelle, sind bereits vortrainiert und lassen sich direkt nutzen. Vergleichbar mit einem Sportler, der in einem anderen Verein ausgebildet wurde und nun an neue Abläufe angepasst wird, bringen diese Systeme viel Grundverständnis mit. Sie können unmittelbare Platzzuweisungen realisieren, bei der Pressearbeit und bei Social-Media-Aktivitäten unterstützen oder gar auf dem Spielfeld Bewegungen analysieren und Trainer gezielt unterstützen.
Für eine tiefgreifendere Nutzung, die noch integraler an den jeweiligen Verein angepasst ist, sind zusätzliche Voraussetzungen hinsichtlich IT-Infrastruktur, Datenbasis und digitalen Skills hilfreich, aber nicht zwingend notwendig. Viele Anwendungen funktionieren bspw. ohne eigene Datenbasis, während Systeme immer besser werden, je mehr sie aus dem eigenen Vereinsalltag lernen können. Dafür braucht es keine perfekten Datensätze oder jahrelange Vorarbeit. Oft reicht es, vorhandene Informationen strukturiert zu sammeln, wie etwa Trainingspläne, Belegungen, einfache Rückmeldungen oder Protokolle. Wichtig sind klare Zuständigkeiten, ein einheitlicher Umgang mit Daten und ein schrittweises Vorgehen. Dabei gilt Verantwortung vor Technik. Datenschutz, Transparenz und Freiwilligkeit sind zentrale Voraussetzungen für eine erfolgreiche Nutzung und Integration von KI im Sportverein. Gerade deshalb hilft es, Erfahrungen zu teilen, voneinander zu lernen und sich auch mit anderen Vereinen auszutauschen.
Ob KI im Sportverein zum Endgegner oder zum Cheatcode wird, entscheidet sich nicht an der Technik, sondern am Umgang mit ihr. Wer bewusst testet, Prozesse weiterdenkt und Wissen teilt, kann dieses Level erfolgreich meistern.
Prof. Dr. Christoph Buck, Carl Luippold,
Moritz Rindermann