

HINSEHEN, HANDELN, SCHÜTZEN
Wie Sportvereine und -verbände gemeinsam für einen sicheren Sport sorgen können
Vereine und die dort engagierten Menschen tragen eine hohe Verantwortung für ihre Mitglieder, insbesondere für die ihnen anvertrauten Kinder und Jugendlichen sowie ihre Athlet*innen. Mit Maßnahmen zum Schutz vor Gewalt können Vereine einen wichtigen Beitrag zur Prävention leisten. Damit das gelingt, brauchen Vereine Orientierung und gezielte fachliche Unterstützung. Sportverbände sowie andere Fachstellen außerhalb des Sports spielen hierbei eine entscheidende Rolle. Auch stärken Präventionsmaßnahmen sowie fachliche externe Unterstützung die Handlungssicherheit aller Akteur*innen, insbesondere der vielen ehrenamtlichen und freiwillig Engagierten.
Bereits heute übernehmen zahlreiche Landessportbünde und -jugenden Verantwortung für einen sicheren und gewaltfreien Sport. Sie stellen Materialien bereit, bieten Qualifizierungen an und beraten Vereine zu Gewaltschutz. Sportverbände haben eine wichtige Vorbildfunktion und übernehmen auf ihren jeweiligen Ebenen selbst Verantwortung für einen sicheren und gewaltfreien Sport.
Auf Bundesebene übernehmen der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und die Deutsche Sportjugend (dsj) die fachliche Weiterentwicklung des Themenfelds Safe Sport von sexualisierter zu interpersonaler Gewalt, die Vernetzung auf Bundesebene und die Beratung ihrer Mitgliedsorganisationen. Durch ihre kontinuierliche Auseinandersetzung mit dem Thema Safe Sport, der Einbeziehung bundespolitischer Entwicklungen und wissenschaftlicher Erkenntnisse, werden übergreifende Strategien und gemeinsame Standards entwickelt. Diese bieten Orientierung und unterstützen Vereine dabei, wirksame Schutzmaßnahmen umzusetzen. Gleichzeitig vertreten die Verbände die Interessen des organisierten Sports gegenüber Politik und Gesellschaft und setzen dort wichtig inhaltliche Impulse.
Ein wegweisender Meilenstein war die 2010 von DOSB, dsj und ihren Mitgliedsorganisationen verabschiedete Selbstverpflichtung zum Schutz vor sexualisierter Gewalt im Sport („Münchener Erklärung“) unter dem Leitmotiv „Vorbeugen und Aufklären, Hinsehen und Handeln!“. Darauf folgte die Einführung des dsj- und DOSB-Stufenmodells (2018/2020) für die Mitgliedsorganisationen, mit dem sich diese zur verbindlichen Umsetzung von Schutzstandards in ihren eigenen Strukturen verpflichtet haben. Mit dem Zukunftsplan Safe Sport haben dsj, DOSB und ihre Mitgliedsorganisationen im Jahr 2023 eine Gesamtstrategie für zehn Jahre beschlossen, um den Schutz vor Gewalt im Sport systematisch und mit Überzeugung anzugehen. Der Zukunftsplan Safe Sport nimmt die Bereiche der Prävention, Intervention und Aufarbeitung in den Blick. In diesem Zusammenhang wurde auch die Entwicklung des Safe Sport Codes, ein verbandsrechtliches Regelwerk zur rechtsicheren Sanktionierung von Vorfällen interpersonaler Gewalt auch unterhalb der Strafbarkeitsgrenze, bereits erfolgreich angegangen.
Diese Rahmenbedingungen tragen dazu bei, den Schutz vor Gewalt systematisch bis in die Vereine hinein zu stärken. Vereine profitieren dabei nicht nur von Orientierung, sondern auch von konkreten Unterstützungsangeboten. Sie werden darin bestärkt, ihre eigene Verantwortung im Umgang mit interpersonaler Gewalt wahrzunehmen, eigene Schutzkonzepte zu entwickeln und damit Handlungssicherheit zu gewinnen. Entscheidend ist jedoch: Auf Vereinsebene geht es nicht vordergründig um umfangreiche Konzepte oder komplexe Strategiepapiere. Vielmehr ist es wichtig, konkrete Maßnahmen für mehr Schutz im Sportvereinsalltag umzusetzen – Maßnahmen, die die Mitglieder direkt wahrnehmen und aktiv leben können und damit eine Kultur des Hinsehens und Handelns schaffen. Dazu zählen klare Verhaltensregeln, Ansprechpersonen zu benennen und bekannt zu machen, Schulungen für Trainer*innen sowie transparente Beschwerde- und Meldewege.
All diese Maßnahmen zahlen auf das bis 2035 gesetzte DOSB-Ziel „100% der Menschen sind im Sportvereinsumfeld sicher, willkommen und gesünder“ ein, den Schutz vor Gewalt umfassend und flächendeckend im gesamten organisierten Sport bis zur Vereinsebene zu verankern. Der Anspruch ist hoch – doch er ist notwendig. Denn nur so kann es gelingen, den Schutz vor Gewalt flächendeckend zu verankern und jeden der rund 86.000 Sportvereine zu einem sicheren Ort zu machen.

Dominique Delnef
Schutz vor Gewalt - dsj

David Knöß
Schutz vor Gewalt - DOSB