Schwimmen trotz Baustelle

Das Remagener Pop-Up-Schwimmbad macht's möglich


Das Freizeitbad Remagen ist nach 51 Jahren Betrieb sichtbar in die Jahre gekommen. Über 100.000 Gäste besuchten das Freibad noch im Jahr 2025. Die Bedeutung des Freibades hat glücklicherweise auch die Stadt Remagen erkannt und will den Bürgerinnen und Bürgern, den Vereinen und natürlich den Kindern und Familien langfristig attraktive Möglichkeiten für Sport, Spaß und Erholung bieten. Während der umfassenden Sanierung bleibt das Freibad allerdings in den Jahren 2026 und 2027 geschlossen.

Für die Ortsgruppe Remagen der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG Remagen) war schnell klar: Zwei Sommer ohne Schwimmausbildung kamen nicht infrage. Bereits frühzeitig begann das Team um den Vorsitzenden Kevin Wassong damit, nach einer Alternative zu suchen. Schließlich sollten die über 330 Plätze in Anfängerschwimmkursen, rund 700 abgenommenen Schwimmabzeichen und mehr als 4.000 Stunden ehrenamtlicher Ausbildungsarbeit, die die DLRG allein im Jahr 2025 im Freibad geleistet hatte, nicht einfach wegfallen.

Die entscheidende Inspiration kam von den DLRG-Kolleginnen und -Kollegen aus Halstenbek, die bereits 2023 und 2024 erfolgreich Schwimmkurse in einem mobilen Becken angeboten hatten. Schnell entstand der Kontakt zur Firma Go-Pool – und damit die Idee eines Pop-Up-Schwimmbads in Remagen. Bis aus der Idee Realität wurde, mussten allerdings zahlreiche organisatorische, technische und finanzielle Hürden überwunden werden.

Finanzierung als größte Hürde

„Das Schwierigste war, die Finanzierung sicherzustellen“, erinnert sich Kevin Wassong. Rund 150.000 Euro wurden für Miete und Aufbau des mobilen Schwimmbeckens veranschlagt. Viele Gespräche und intensive Überzeugungsarbeit bei verschiedensten Akteuren waren nötig und für eine kurze Zeit drohte das Projekt sogar zu scheitern. Schließlich stellten die Remagener das Projekt erfolgreich in Mainz vor. Das damalige Ministerium des Innern und für Sport sowie das Bildungsministerium in Kooperation mit dem Landessportbund Rheinland-Pfalz bewilligten Fördermittel in Höhe von 70.000 Euro. Die verbleibenden Kosten übernimmt die Stadt Remagen – einschließlich der Personal-, Reinigungs- und Betriebskosten sowie der Wasseraufbereitung.

Das Pop-Up-Schwimmbad war von Anfang an als Gemeinschaftsprojekt zwischen der Stadt Remagen und der DLRG angelegt. Diese enge Zusammenarbeit war auch der Schlüssel zum Erfolg. Es geht nur gemeinsam.

Kevin Wassong - Vorsitzender DLRG Ortsgruppe Remagen

Während die Stadt die finanziellen und organisatorischen Rahmenbedingungen schafft, bringt die DLRG vor allem eines ein: ehrenamtliches Engagement. Die Helfer*innen koordinierten den Auf- und Abbau, übernehmen die Schwimmausbildung und unterstützen den laufenden Betrieb. Allein für den Aufbau des Beckens kamen mehr als 700 ehrenamtliche Arbeitsstunden zusammen.

Die Bodenfläche des Beckens ist 25 Meter lang und 10 Meter breit. Bei einer durchgehenden Wassertiefe von 1,20 Meter fasst es rund 350 Kubikmeter Wasser. Dieses stammt aus dem eigenen Brunnen des Freibads, sodass kein Wasser aus dem städtischen Trinkwassernetz benötigt wird. Die Wassertiefe ist ein „Kompromiss zwischen der Möglichkeit, Anfängerschwimmen anbieten zu können, und einem normalen Schwimmsportangebot“, erklärt Wassong.

Der Aufbau des Beckens besteht eigentlich aus Hochwasserschutzwänden, die als mobiler Deich eingesetzt werden. „Wenn man dann vier mobile Deiche aufstellt, Eckstücke montiert und eine Folie reinlegt, dann hat man dieses Becken. Mehr ist es eigentlich nicht“, sagt Wassong schmunzelnd. So dauerte der eigentliche Aufbau des Schwimmbeckens auch nur ein einziges Wochenende. 

Deutlich anspruchsvoller war und ist dagegen die Wasseraufbereitung. Ein moderner Technikanhänger sorgt dafür, dass die Wasserqualität dauerhaft den Anforderungen eines öffentlichen Schwimmbads entspricht. Nach einigen notwendigen Einstellungen zu Beginn arbeitet die Anlage inzwischen weitgehend automatisch.

Umso glücklicher waren alle Beteiligten, als das Pop-Up-Schwimmbad endlich für die Öffentlichkeit freigegeben werden konnte. Die öffentliche Nutzung ist montags, mittwochs, freitags und samstags von 9 bis 13 Uhr sowie dienstags und donnerstags von 15 bis 19 Uhr möglich. Für 1,50 Euro können Badegäste online einstündige Zeitfenster buchen. Bis zu 30 Schwimmerinnen und Schwimmer dürfen sich gleichzeitig im Becken aufhalten. Außerhalb dieser Zeiten steht das Becken den wassersporttreibenden Vereinen für Training und Schwimmausbildung zur Verfügung – und zwar nicht nur der DLRG. Auch andere Vereine wie der Wassersportverein Remagen profitieren von dem Angebot.

Schwimmausbildung wieder möglich

Besonders wichtig war der DLRG, dass auch die Anfängerschwimmausbildung in gewohnter Qualität stattfinden kann. Das frühere Freibad bot mit Wassertiefen zwischen 65 Zentimetern und 3,90 Metern ideale Voraussetzungen. Um diese Möglichkeiten zumindest teilweise nachzubilden, entwickelte die DLRG eine Plattform, die bei Bedarf in das Becken eingesetzt wird und unterschiedliche Wasserhöhen schafft. So ist Wassong auch optimistisch, dass die Nachfrage an Anfängerschwimmkursen auch in diesem Jahr wieder komplett bedient werden kann.

Dass dieses außergewöhnliche Projekt überhaupt Wirklichkeit werden konnte, schreibt Wassong vor allem seinem Team zu. Liebevoll bezeichnet er die engagierten Ehrenamtlichen als sein „gestörtes Team“ – eine augenzwinkernde Anerkennung für den außergewöhnlichen Einsatz und die unzähligen Stunden freiwilliger Arbeit.

Für 2027 hofft Wassong auf erneute Unterstützung aus Mainz, damit das Pop-Up-Schwimmbad auch im kommenden Sommer betrieben werden kann. Dann allerdings auf einer anderen Fläche, da am jetzigen Standort dann die Bagger für die Sanierung des Freibades rollen werden. Im Mai 2028 soll dann das rundum sanierte Freizeitbad wieder seine Tore öffnen, was die Zukunft der DLRG und des Schwimmens in Remagen für die kommenden Jahrzehnte sicherstellen soll.