Im Rahmen unseres TOPTHEMAS Gesundheitssport haben AOK, Barmer, BKK Pfalz, DAK und IKK Südwest acht Fragen von SPORT Rheinland-Pfalz zu diesem Thema beantwortet. Der Techniker Krankenkasse indes war es leider nicht möglich, die Fragen zeitnah zu beantworten.

1. Welchen Beitrag leisten Sportvereine aus Ihrer Sicht für Prävention, Gesundheitsförderung und Entlastung des Gesundheitssystems?

Aus unserer Sicht leisten Sportvereine einen wertvollen Beitrag zur Entlastung des Gesundheitssystems. Neben dem präventiven Ansatz der Bewegungsförderung und dem Erhalt der Mobilität sind Sportvereine auch ein Ort der Begegnung und tragen somit aktiv zur Einsamkeitsprävention bei. Darüber hinaus ermöglichen Gesundheitspartnerschaften mit Sportverbänden und -vereinen den gesetzlichen Krankenkassen den Zugang zu den mehr als 27 Millionen Breitensportlern in Deutschland (laut Deutschem Olympischen Sportbund gibt es 27 Millionen Mitgliedschaften in 90.000 Turn- und Sportvereinen) und erlauben somit die gezielte Umsetzung von Präventionsmaßnahmen. Ähnlich wie in den Lebenswelten Schule und Kindergarten sind Sportvereine ideale Orte, um Menschen jeden Alters für einen gesünderen Lebensstil zu sensibilisieren. Dies ist eine Aufgabe, zu der die Krankenkassen per Gesetz sogar verpflichtet sind. Sie haben den gesetzlichen Auftrag, die Gesundheit der Versicherten zu erhalten, wiederherzustellen oder zu verbessern und die Bevölkerung über Gesundheitsthemen aufzuklären. Um diese Aufgabe besonders effizient zu erfüllen, geht die AOK Rheinland-Pfalz/Saarland – Die Gesundheitskasse Gesundheitspartnerschaften im Sportbereich ein. Die Kooperationen der AOK Rheinland-Pfalz/Saarland – Die Gesundheitskasse verfolgen somit grundsätzlich immer das Ziel, mit den regionalen Partnern Präventionsmaßnahmen zu vereinbaren.

Menschen aller Altersgruppen zu regelmäßiger Bewegung motivieren und dadurch gesundheitliche Risiken reduzieren. Neben der körperlichen Gesundheit stärken sie auch das psychische Wohlbefinden und fördern soziale Kontakte, die ebenfalls einen positiven Einfluss auf die Gesundheit haben. Durch ihre wohnortnahen und niedrigschwelligen Angebote erreichen sie viele Menschen und unterstützen einen langfristig aktiven Lebensstil. Damit tragen Sportvereine dazu bei, Krankheiten vorzubeugen, die Lebensqualität zu erhöhen und das Gesundheitssystem langfristig zu entlasten.

Der Breitensport fördert körperliche, psychische und soziale Gesundheit gleichermaßen – das ist gerade im Vereinssport ein einzigartiger Dreiklang. Wer über Jahre aktiv bleibt, bleibt im Alter länger gesund und selbstständig, was Arztpraxen und Pflegeeinrichtungen spürbar entlastet. Vereine leisten damit einen strukturellen Beitrag zur Gesundheitsversorgung, der bislang zu wenig honoriert wird.

Sportvereine leisten einen wichtigen Beitrag zur Gesundheitsförderung, weil sie Menschen aller Altersgruppen regelmäßig zu Bewegung motivieren und zugleich soziale Begegnungsräume schaffen. Neben den positiven Effekten körperlicher Aktivität fördern sie Gemeinschaft, Integration und psychisches Wohlbefinden. Damit unterstützen sie einen gesundheitsförderlichen Lebensstil und können dazu beitragen, gesundheitliche Risiken langfristig zu reduzieren.

Vereine allgemein sind das „Kitt“ unserer Gesellschaft. Sportvereine im Speziellen leisten einen wichtigen Beitrag zur Förderung von Bewegung und sozialer Teilhabe. Sie schaffen niedrigschwellige Angebote, die Menschen langfristig zu einem aktiven Lebensstil motivieren. Dadurch können Risikofaktoren wie Übergewicht oder Bewegungsmangel reduziert werden. Zudem bieten Vereine einen wichtigen Rahmen für die individuelle Lebens- und Alltagsgestaltung sowie die Bewältigung von Alltagsproblemen (vgl. GKV-Spitzenverband, 2025, Leitfaden Prävention). Langfristig können sie demnach zur Entlastung des Gesundheitssystems beitragen.

2. An welchen Stellen sehen Sie bislang ungenutztes Potenzial von Sportvereinen innerhalb der Gesundheitsversorgung?

Sportvereine könnten eine deutlich größere Rolle als Bindeglied zwischen Alltag und Gesundheitssystem einnehmen. Ihr größtes ungenutztes Potenzial liegt in der systematischen Integration in die Bereiche Prävention, Nachsorge und psychosoziale Gesundheitsförderung oder auch im Rahmen der Ganztagsbetreuung in Kindertagesstätten und Schulen. Dies setzt jedoch entsprechende Stärkungen der ehrenamtlichen Strukturen voraus. Langfristig könnte sich hieraus ein Modell entwickeln, bei dem Sportvereine neben Arztpraxen und sozialen Einrichtungen als fester Bestandteil einer regionalen Gesundheitslandschaft verstanden werden.

Sportvereine sind bislang als Partner in der Prävention sowie bei der Nachsorge und Begleitung chronischer Erkrankungen zu wenig eingebunden. Eine noch engere Vernetzung mit Krankenkassen, Ärzten, Kommunen und weiteren Akteuren des Gesundheitswesens könnte dazu beitragen, Präventionspotenziale besser zu nutzen und die Gesundheitsversorgung zu ergänzen.

Viele Vereine bieten bereits zertifizierte Gesundheitskurse an, allerdings oft ohne die nötige Reichweite oder systematische Vermarktung, um ihre Zielgruppen wirklich zu erreichen. Wie viel Wirkung eine dauerhafte, strukturierte Partnerschaft entfalten kann, zeigen wir mit unserer eigenen Initiative Wanderfit, die wir seit 2017 gemeinsam mit dem Deutschen Wanderverband betreiben. Im Rahmen der Initiative werden zertifizierte Gesundheitswanderführer ausgebildet. Genau dort liegt das Potenzial: aus punktuellen Aktionen dauerhafte, qualitätsgesicherte Angebote zu machen.

Sportvereine können noch stärker als niedrigschwellige Partner für Prävention und Gesundheitsförderung wahrgenommen werden. Insbesondere zertifizierte Präventionsangebote nach § 20 SGB V bieten eine hohe fachliche Qualität und erreichen Menschen häufig in ihrem direkten Lebensumfeld. Darüber hinaus sehen wir Potenzial in einer engeren Vernetzung mit Kommunen, Ärzten und weiteren Akteuren des Gesundheitswesens.

Sportvereine könnten noch stärker als Partner in der Prävention eingebunden werden. Im Rahmen der kommunalen Gesundheitsförderung bieten Vereine einen guten Zugangsweg, um auch sozial benachteiligte Gruppen (z.B. Arbeitslose) zu erreichen. Auch Menschen, die in keiner anderen Lebenswelt (z B. Schule, Kita, Unternehmen) für Themen der Gesundheitsförderung sensibilisiert werden (z.B. Rentner), können Maßnahmen im Verein zugutekommen (vgl. GKV-Spitzenverband, 2025, Leitfaden Prävention). Eine bessere Vernetzung zwischen Gesundheitswesen und Vereinen könnte dieses Potenzial stärker nutzen.

3. Welche konkreten Maßnahmen könnten Krankenkassen ergreifen, um Sportvereine als Gesundheitspartner sichtbarer, wirksamer und langfristig stärker einzubinden?

Wir arbeiten bereits intensiv mit Sportvereinen zusammen und legen großen Wert darauf, diese Kooperationen auch sichtbar zu machen. In der praktischen Umsetzung stoßen wir jedoch immer wieder auf Herausforderungen. Insbesondere die überwiegend ehrenamtlichen Strukturen in den Sportvereinen führen häufig dazu, dass die personellen und zeitlichen Ressourcen begrenzt sind. Dadurch gestalten sich Abstimmungs- und Umsetzungsprozesse oftmals aufwendiger und langwieriger als in hauptamtlich organisierten Strukturen. Zudem haben wir die Erfahrung gemacht, dass es häufig an jüngeren Engagierten fehlt, die neue Impulse einbringen und gemeinsam mit uns innovative Ideen und Formate weiterentwickeln können.

Sportvereine sollten stärker als feste Gesundheitspartner etabliert werden. Langfristige Kooperationen und gemeinsame Projekte, vor allem auf kommunaler Ebene, stärken die Potenziale der Vereine. Schließlich könnten erfolgreiche Vereinsangebote durch nachhaltige Förderstrukturen langfristig abgesichert werden.

Krankenkassen können fachliche Unterstützung aus dem eigenen Bereich des Betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM) anbieten, wie wir es in unseren Partnerschaften mit dem SV Sandhausen und dem VfR Frankenthal bereits tun – dort begleiten wir Nachwuchsteams und Vereinsmitarbeitende mit Workshops zu Gesundheitsförderung und Prävention. Genauso wichtig ist eine bessere externe Kommunikation solcher erfolgreichen Einzelmaßnahmen, damit gute Beispiele auch über die jeweilige Region hinaus sichtbar werden. Das schafft Vorbilder für andere Vereine und Vertrauen bei den Mitgliedern.

Aus Sicht der DAK-Gesundheit ist dabei entscheidend, dass Angebote auf anerkannten Qualitätsstandards basieren. Die Zertifizierung über die Zentrale Prüfstelle Prävention bietet hierfür eine verlässliche Grundlage und schafft Transparenz für Versicherte.

Krankenkassen fördern immer zeitlich befristete Maßnahmen, welche die Teilnehmenden dazu befähigen sollen, das erworbene Wissen in den Alltag zu übertragen. Vereine bieten eine wichtige Ergänzung, um in Eigenverantwortung langfristig gesundheitsfördernde Aktivitäten umzusetzen (vgl. GKV-Spitzenverband, 2025, Leitfaden Prävention). Um die Vereine langfristiger und wirksamer einzubinden, ist es jedoch eine unabdingbare Voraussetzung, dass relevante Akteure, wie Trainer, entsprechend qualifiziert werden und somit als Multiplikatoren in den Vereinen fungieren können. Aus diesem Grund hält die IKK Südwest spezielle Angebote bereit, welche sich an Trainer sowie Interessierte aus den Vereinen richten (z.B. Energiebereitstellung – Grundlagen der Ernährung, Sinnvolles & nachhaltiges Training – Vorbereitung & Belastungssteuerung, Aufputschmittel im Sport).

4. Wäre es aus Ihrer Sicht sinnvoll, Vereinsmitgliedschaften stärker zu fördern als bisherige Bonusprogramme? Falls ja: Welche Modelle halten Sie für realistisch?

Eine pauschale Förderung von Vereinsmitgliedschaften halten wir derzeit nicht für ein geeignetes Instrument, um die regelmäßige sportliche Aktivität der Bevölkerung nachhaltig zu erhöhen. Eine finanzielle Unterstützung allein führt nach unserer Einschätzung nicht automatisch zu einer höheren Motivation, dauerhaft Sport zu treiben. Auch Erfahrungen aus anderen Bereichen zeigen, dass finanzielle Anreize zwar den Einstieg erleichtern können, jedoch in der Regel keine langfristige Verhaltensänderung bewirken. Aus unserer Sicht sind fehlende finanzielle Ressourcen zudem nur selten der ausschlaggebende Grund dafür, dass Menschen keinen Sport treiben. Wesentlich bedeutsamer sind Faktoren wie mangelnde Motivation, fehlende Zeit, gesundheitliche Einschränkungen oder die Schwierigkeit, sportliche Aktivitäten dauerhaft in den Alltag zu integrieren. Darüber hinaus beobachten wir, dass die klassische Bindung an eine Vereinsmitgliedschaft für viele Menschen zunehmend an Attraktivität verliert. Immer mehr Menschen wünschen sich flexible und niedrigschwellige Bewegungsangebote, die sich ohne langfristige Verpflichtungen nutzen lassen. Dies stellt Sportvereine vor neue Herausforderungen und sollte bei der Entwicklung zukünftiger Förderinstrumente berücksichtigt werden. Für einzelne besonders vulnerable Zielgruppen können finanzielle Hürden durchaus eine Rolle spielen. Hier bestehen jedoch bereits Fördermöglichkeiten, beispielsweise über das Bildungs- und Teilhabepaket. Nach unseren Erfahrungen werden diese Möglichkeiten von den Sportvereinen aktiv genutzt. Die Vereine unterstützen betroffene Familien bei Bedarf und tragen dazu bei, dass Kinder und Jugendliche trotz finanzieller Einschränkungen am Vereinsleben teilnehmen können. Vor diesem Hintergrund sehen wir größere Potenziale in der Förderung niedrigschwelliger Bewegungsangebote, in Maßnahmen zur nachhaltigen Motivationsförderung sowie in der Stärkung gesundheitsförderlicher Lebenswelten als in einer generellen Bezuschussung von Vereinsmitgliedschaften.

Die Berücksichtigung einer Sportvereinsmitgliedschaft im Rahmen von Bonusprogrammen ist ein sinnvoller Ansatz, da sie Menschen motivieren kann, sich einem Verein anzuschließen und damit einen ersten Zugang zu gesundheitsfördernden Bewegungsangeboten zu erhalten. Wir honorieren bereits jetzt die Vereinsmitgliedschaft nur unter der Bedingung, dass diese nachweislich aktiv ist.

Sinnvoller als eine pauschale Förderung jeder Mitgliedschaft wäre eine gezielte Förderung, die an nachgewiesene, gesundheitswirksame Angebote im Verein gekoppelt ist. Ein realistisches Modell zeigt unsere eigene Initiative Wanderfit: feste Zuschüsse und kostenfreie Teilnahme an zertifizierten Gesundheitswanderkursen statt einer undifferenzierten Förderung jeder Art von Mitgliedschaft. So bleibt der Anreiz zielgerichtet, ohne den Verwaltungsaufwand unnötig zu erhöhen.

Menschen können auf unterschiedliche Weise aktiv sein – im Sportverein, im Fitnessstudio oder durch eigenständige Bewegung. Deshalb halten wir Anreizsysteme für sinnvoll, die gesundheitsförderliches Verhalten insgesamt unterstützen und verschiedene Bewegungsformen gleichermaßen berücksichtigen.

Die Krankenkassen unterstützen Vereine bereits vielfältig über verschiedene Modelle, sei es in Partnerschaften durch Kooperationsvereinbarungen oder durch Bonusprogramme, bei denen die Mitgliedschaft oder auch das regelmäßige Training bonifiziert werden. Zudem können Kurse, die den Anforderungen des Leitfadens Prävention entsprechen, erstattet werden. Ferner gibt es bereits Gütesigel für Vereine, wie beispielweise „Sport pro Gesundheit.

5. Wie bewerten Sie die Idee, Mitgliedsbeiträge in Sportvereinen direkt, einfach und ohne aufwendige Antrags- oder Bonussysteme zu bezuschussen oder teilweise zu übernehmen?

siehe Antwort Frage 4. Hinzu kommt, dass die gesetzlichen Krankenkassen bereits heute in erheblichem Umfang Bewegungsangebote der Sportvereine fördern. Wir bezuschussen die Teilnahme unserer Versicherten an allen ZPP-zertifizierten Präventionskursen der Sportvereine in hohem Maße. Unsere Versicherten können hierfür Zuschüsse beziehungsweise Erstattungen von bis zu 400 Euro pro Jahr erhalten. Mit dem Bonusprogramm belohnt die AOK darüber hinaus auch die aktive Mitgliedschaft in einem Sportverein. Vor diesem Hintergrund sehen wir keinen zusätzlichen Bedarf für eine pauschale Bezuschussung von Vereinsmitgliedschaften. Ergänzend ist darauf hinzuweisen, dass auch im Bereich des Rehabilitationssports bereits eine umfassende Finanzierung über die gesetzlichen Krankenkassen erfolgt. Ärztlich verordneter Reha-Sport wird in anerkannten Sportvereinen direkt mit den Krankenkassen abgerechnet.

Die Idee, Mitgliedsbeiträge in Sportvereinen direkt und möglichst unbürokratisch zu bezuschussen, erscheint grundsätzlich attraktiv, da sie finanzielle Hürden abbauen und den Zugang zu Bewegungsangeboten erleichtern kann. Zugleich ist bei einer solchen Förderung zu berücksichtigen, dass die finanziellen Spielräume der gesetzlichen Krankenkassen begrenzt sind. Zudem lässt eine Vereinsmitgliedschaft allein noch keine Aussage darüber zu, ob durch die Angebote tatsächlich ein gesundheitlicher Mehrwert entsteht. Vor diesem Hintergrund erscheint eine gezielte Förderung sinnvoller als eine allgemeine Kostenübernahme.

Unser Bonussystem setzt das bereits sehr einfach um: Es genügt die Vereinsbestätigung auf dem Bonusbogen und der Gesundheitsbonus von 20 Euro wird direkt ausbezahlt. Zusätzlich bezuschussen wir zertifizierte Präventionskurse mit bis zu 300 Euro im Jahr. Unkomplizierte Verfahren sind aus meiner Sicht der entscheidende Hebel, damit Angebote tatsächlich genutzt werden, statt an bürokratischen Hürden zu scheitern.

​Die Übernahme bzw. Bezuschussung von Mitgliedschaftsbeiträgen in Sportvereinen, Fitnessstudios und ähnlichen Einrichtungen sowie die Gewährung finanzieller Anreize nach § 20 SGB V hierzu sind nicht zulässig. Gleiches gilt für die Verrechnung von aktuellen, früheren oder zukünftigen Mitgliedsbeiträgen mit Kursgebühren. Eine Mitgliedschaft im Sportverein können wir über unser Bonusprogramm bezuschussen lassen. Wofür gibt es Bonuspunkte?

Krankenkassen dürfen, außerhalb der Bonusprogramme, keine allgemeinen Mitgliedsbeiträge übernehmen oder bezuschussen. Stattdessen muss die Förderung an konkrete, qualitätsgesicherte Präventionsangebote geknüpft sein. Allerdings sind wir sehr offen für alle Vorschläge, die dazu führen, dass Menschen ihre Gesundheit als das wichtige Gut entdecken, weniger häufig und stark erkranken und damit über eine bessere Lebensqualität verfügen. Hierfür leistet der Sport in den Vereinen eine sehr wichtige Grundlage.

6. Könnte eine solche Förderung dazu beitragen, Gesundheitsrisiken zu senken, Präventionsangebote häufiger zu nutzen und damit langfristig Leistungen im Gesundheitssystem zu reduzieren?

Wie bereits dargestellt, sehen wir derzeit keinen Bedarf für eine weitergehende finanzielle Förderung von Versicherten zur Teilnahme an Sport- und Bewegungsangeboten. Aus unserer Sicht bestehen deutlich größere Potenziale an anderer Stelle. Insbesondere sollte der Fokus stärker auf dem Aufbau und der nachhaltigen Stärkung gesundheitsförderlicher Strukturen liegen. Lebenswelten und öffentliche Räume sollten so gestaltet werden, dass sie Menschen ganz selbstverständlich zu mehr Bewegung im Alltag motivieren. Dazu gehören beispielsweise bewegungsfreundliche Kommunen, attraktive Fuß- und Radwege, gut erreichbare Grün- und Freiflächen sowie niedrigschwellige Bewegungsangebote im unmittelbaren Wohnumfeld. Darüber hinaus sehen wir im Bereich der Alltagsbewegung ein erhebliches Präventionspotenzial. Bereits kleine Veränderungen im täglichen Verhalten – etwa mehr Wege zu Fuß oder mit dem Fahrrad, bewegungsfreundliche Schul- und Arbeitswege oder bewegungsfördernde Gestaltung von Kitas, Schulen und Kommunen – können einen wichtigen Beitrag zur Gesundheitsförderung leisten und erreichen zugleich auch Menschen, die bislang keinen Zugang zum organisierten Sport finden.

Eine Förderung, die tatsächlich an gesundheitsförderliche Sportangebote oder Sportvereine gekoppelt ist, kann Eintrittsbarrieren senken und die regelmäßige Teilnahme an Bewegungsangeboten begünstigen. Da Bewegungsmangel zu den wichtigsten beeinflussbaren Risikofaktoren für zahlreiche chronische Erkrankungen zählt, ist davon auszugehen, dass eine höhere Sportbeteiligung langfristig positive Gesundheitseffekte mit sich bringt. Ob sich daraus tatsächlich Einsparungen im Gesundheitssystem ergeben, hängt von der konkreten Ausgestaltung der Förderung und der erreichten Zielgruppe ab. Vor allem dann, wenn bisher inaktive Personen für regelmäßige Bewegung gewonnen werden, sind positive Effekte auf Gesundheit, Lebensqualität und langfristig auch auf die Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen zu erwarten.

Eine Förderung könnte zu mehr Mitgliedern in den Vereinen führen und dass erfolgreiche BGM-Projekte stärker nachgefragt werden. Beides wirkt sich gesundheitsförderlich aus und kann langfristig das Gesundheitssystem spürbar entlasten.

Regelmäßige körperliche Aktivität kann nachweislich das Risiko vieler chronischer Erkrankungen senken. Finanzielle Anreize können dabei helfen, den Einstieg in einen aktiveren Lebensstil zu erleichtern. Entscheidend für einen nachhaltigen gesundheitlichen Nutzen ist jedoch, dass Menschen Bewegung dauerhaft in ihren Alltag integrieren und aus eigener Motivation fortführen.

Ja, eine stärkere Nutzung von Angeboten der Sportvereine kann einen wertvollen Beitrag leisten, um Gesundheitsrisiken zu senken und Prävention nachhaltig zu stärken. Besonders wirkungsvoll ist es, Menschen gezielt über geprüfte und qualitätsgesicherte Präventionsangebote an regelmäßige Bewegung heranzuführen – so lässt sich gesundheitsförderndes Verhalten langfristig verankern und wirksam unterstützen. Dieser Weg bietet innerhalb des bestehenden gesetzlichen Rahmens die besten Voraussetzungen, um echte und dauerhafte gesundheitliche Vorteile zu erzielen und eröffnet eine klare Perspektive, wie Bewegung als fester Bestandteil eines gesunden Alltags gefördert werden kann.

7. Welche Voraussetzungen müssten Sportvereine erfüllen, damit eine intensivere finanzielle Unterstützung durch Krankenkassen denkbar wäre?

Die Möglichkeiten der gesetzlichen Krankenkassen, Sportvereine finanziell intensiver zu unterstützen, sind gesetzlich klar geregelt und entsprechend begrenzt. Insbesondere im Bereich des Sponsorings bestehen enge rechtliche Vorgaben hinsichtlich der Verwendung von Beitragsmitteln. Vor diesem Hintergrund sind die finanziellen Spielräume begrenzt, sodass ein nennenswerter Ausbau von Sponsoringaktivitäten nicht möglich ist. Eine deutlich größere Bedeutung hat aus unserer Sicht die Zusammenarbeit im Bereich der Prävention und Gesundheitsförderung. Bereits heute bestehen zahlreiche Gesundheitspartnerschaften zwischen gesetzlichen Krankenkassen und Sportvereinen, die auch eine finanzielle Unterstützung der Vereinsarbeit ermöglichen. Voraussetzung ist jedoch, dass die Angebote die Anforderungen des Leitfadens Prävention erfüllen. Als gesetzliche Krankenkassen sind wir an diese bundesweit einheitlichen Qualitätskriterien gebunden und können Präventionsmaßnahmen ausschließlich innerhalb dieses rechtlichen Rahmens fördern. Diesen Bereich haben wir in den vergangenen Jahren kontinuierlich ausgebaut und unterstützen Sportvereine bei der Entwicklung und Umsetzung qualitätsgesicherter Präventionsangebote. Gleichwohl stoßen wir in der Praxis häufig auf Herausforderungen, die weniger finanzieller als vielmehr struktureller Natur sind. Wie bereits dargestellt, erschweren die überwiegend ehrenamtlichen Strukturen, begrenzte personelle Ressourcen und fehlende Nachwuchskräfte in vielen Vereinen die Entwicklung neuer Angebote sowie die Umsetzung und Verstetigung gemeinsamer Projekte.

Für eine intensivere finanzielle Unterstützung durch Krankenkassen sollten Sportvereine vor allem nachweisen können, dass ihre Angebote einen konkreten Beitrag zur Gesundheitsförderung leisten und den Qualitätsanforderungen des Leitfadens Prävention entsprechen. Dabei bieten viele Vereine bereits heute gute Voraussetzungen, beispielsweise durch qualifizierte Übungsleitungen, Gesundheitssportangebote oder zertifizierte Präventionskurse. Im Bereich der individuellen Prävention können insbesondere Kurse, die von der Zentralen Prüfstelle Prävention zertifiziert sind, eine wichtige Grundlage für eine Förderung sein. Im Rahmen der Vorgaben des Sozialgesetzbuches können Vereine darüber hinaus gesundheitsförderliche Strukturen schaffen, etwa durch Bewegungsangebote für bestimmte Zielgruppen, Gesundheitskonzepte oder die aktive Einbindung in kommunale Präventionsnetzwerke.

Wichtig wären zertifizierte Kursangebote mit qualifizierten Übungsleitern sowie ein verlässlicher Nachweis, dass Angebote dauerhaft und nicht nur als Einzelaktion stattfinden. Zusätzlich sollten Vereine bereit sein, Teilnehmerzahlen und Wirksamkeit in einfacher Form zurückzumelden, damit Kassen die Zusammenarbeit auch belastbar bewerten können. Genau das praktizieren wir bereits in unseren bestehenden Partnerschaften mit dem SV Sandhausen und dem VfR Frankenthal.

Damit Sportvereine eine intensivere finanzielle Unterstützung durch gesetzliche Krankenkassen erhalten, müssen sie gesetzliche Vorgaben nach dem § 20 SGB V erfüllen. Dazu gehören zertifizierte Kurse über die Zentrale Prüfstelle Prävention, qualifizierte Übungsleiter mit speziellen Lizenzen sowie standardisierte Gesundheitsprogramme.

Bereits unter Frage 3, Frage 4 und Frage 5 beantwortet.

8. Mit wie vielen Sportvereinen oder Sportverbänden kooperiert Ihre Krankenkasse aktuell im Bereich Gesundheitsförderung, Prävention oder Bewegung?

Die Zusammenarbeit mit dem organisierten Sport ist für uns ein wichtiger Baustein der Gesundheitsförderung und Prävention. Allein im vergangenen Jahr haben wir in Rheinland-Pfalz mit rund 100 Sportvereinen Gesundheitspartnerschaften geschlossen und damit die Umsetzung gesundheitsförderlicher Angebote vor Ort unterstützt. Darüber hinaus pflegen wir eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Sportverbänden. Beispielhaft ist die langjährige und intensive Kooperation mit dem Sportbund Pfalz, mit dem wir gemeinsam zahlreiche Maßnahmen und Projekte zur Bewegungsförderung und Prävention umsetzen.

Die BARMER kooperiert im Bereich Gesundheitsförderung, Prävention und Bewegung mit Sportvereinen und Sportorganisationen auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene. Eine genaue Anzahl lässt sich dabei nicht benennen, da viele Kooperationen projektbezogen und regional unterschiedlich ausgestaltet sind. Ein Beispiel für eine bundesweite Zusammenarbeit ist die langjährige Kooperation mit dem Deutschen Turner-Bund. Gemeinsam wurden unter anderem die Fitness-Locations entwickelt, die niedrigschwellige und kostenfrei nutzbare Bewegungsangebote im öffentlichen Raum schaffen und damit den Aufbau gesundheitsförderlicher Strukturen in Kommunen unterstützen.

Aktuell bestehen feste Gesundheitspartnerschaften mit dem SV Sandhausen (Nachwuchsleistungszentrum) und dem VfR Frankenthal, ergänzt um kleinere, punktuelle Projekte. Außerdem die große Kooperation mit dem Deutschen Wanderverband innerhalb unserer Initiative Wanderfit.

Die DAK-Gesundheit kooperiert mit allen zertifizierten Sportvereinen, wenn die Voraussetzungen der Zentralen Prüfstelle Prävention erfüllt werden. Sie können dies auf unserer Website einsehen unter Präventionskurse.

Die IKK Südwest arbeitet bereits mit zahlreichen Vereinen in Rheinland-Pfalz, dem Saarland und in Hessen zusammen. Ein weiterer Ansatzpunkt für die IKK Südwest besteht darin, die Vereine über die übergeordneten Verbände zu erreichen. Dabei werden einzelnen Akteure aus den Vereinen zu gesundheitsbezogenen Themen qualifiziert, um das erworbene Wissen zu den verschiedenen Themen der Prävention und Gesundheitsförderung als Multiplikatoren in die Vereine zu tragen.