Vielfalt und Gewaltfreiheit stärken, Vereine und Verbände unterstützen
Oliver Kalb, Abteilungsleiter Gesellschaftspolitik beim Landessportbund Rheinland-Pfalz, blickt auf die vergangenen zwei Jahre zurück und erläutert, welche Entwicklungen den organisierten Sport besonders geprägt haben.
Mehr Infos und Themen rund um die Gesellschaftspolitik unter www.lsb-rlp.de
Dominik Sonndag Abteilungsleiter Kommunikation
Oliver, welche Entwicklungen und Erfolge haben Deinen Bereich in den vergangenen zwei Jahren besonders geprägt?
Oliver Kalb Abteilungsleiter Gesellschaftspolitik
Eine der positivsten Entwicklungen ist, dass sich Vereine und Verbände heute viel stärker mit gesellschaftspolitischen Themen auseinandersetzen. Die Frage lautet nicht mehr: „Warum sollen wir uns mit Inklusion, Kinderschutz oder Integration beschäftigen?“, sondern vielmehr: „Wie können wir diese Themen erfolgreich umsetzen?“ Diese Veränderung zeigt, dass das Bewusstsein in der Sportlandschaft deutlich gewachsen ist.
Gleichzeitig erleben wir, dass gesellschaftspolitisches Engagement längst nicht mehr nur in einzelnen Vorzeigeprojekten stattfindet. Viele Vereine und Verbände in Rheinland-Pfalz setzen sich aktiv mit diesen Themen auseinander und tragen sie in die Fläche. Ein weiterer Erfolg ist, dass unsere Abteilung zunehmend als Partner wahrgenommen wird: als Berater, Förderer und Impulsgeber für Vereine und Verbände.
Welche Maßnahmen haben Vereinen und Verbänden besonders geholfen?
Neben Förderprogrammen, Qualifizierungsangeboten und Netzwerken hat sich vor allem der direkte Austausch bewährt. Unser Ziel ist es, mit den Menschen vor Ort ins Gespräch zu kommen und konkrete Hilfestellungen für die Praxis anzubieten.
Ein gutes Beispiel sind die Inklusionslotsinnen und Inklusionslotsen, die Vereine regional beraten und dabei unterstützen, inklusive Strukturen aufzubauen. Ähnlich wichtig ist die Begleitung im Programm „Integration durch Sport“ sowie die enge Zusammenarbeit mit den Sportbünden im Bereich Kinderschutz. Entscheidend ist, gemeinsam Lösungen zu entwickeln und Vereine sowie Verbände auf ihrem Weg zu begleiten.
Welche Themen umfasst die Gesellschaftspolitik im Sport?
Kurz gesagt: Wir setzen uns für einen vielfältigen und gewaltfreien Sport ein. Dazu gehören Themen wie Inklusion, Integration, Queerness im Sport sowie Chancengerechtigkeit für unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen.
Ebenso wichtig ist der Schutz vor Gewalt. Dazu zählen nicht nur sexualisierte Gewalt, sondern auch physische und psychische Gewalt sowie die Prävention von Diskriminierung. All diese Themen sind wesentliche Bestandteile unserer Arbeit.
Wo lagen die größten Herausforderungen?
Die Anforderungen an Vereine und Verbände sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen und komplexer geworden. Viele gesellschaftliche Themen müssen heute gleichzeitig berücksichtigt werden. Dabei darf nicht vergessen werden, dass der organisierte Sport überwiegend vom Ehrenamt getragen wird.
Unsere Aufgabe besteht deshalb darin, Vereine nicht zusätzlich zu belasten, sondern sie mit passenden Angeboten und konkreter Unterstützung zu stärken. Es geht darum, notwendige Entwicklungen zu begleiten, ohne Ehrenamtliche zu überfordern.
Hat Dich in den vergangenen Jahren etwas besonders überrascht?
Mich beeindruckt vor allem, wie sich die Rolle des Sportvereins gewandelt hat. Vereine sind heute weit mehr als Orte der sportlichen Betätigung. Sie werden zunehmend als wichtige gesellschaftliche Akteure wahrgenommen.
Themen wie Vielfalt, Antidiskriminierung und Teilhabe erhalten heute deutlich mehr Aufmerksamkeit als früher. Gleichzeitig bleibt es wichtig, die besondere Struktur des Sports zu berücksichtigen – sein Fundament ist das Ehrenamt. Deshalb brauchen Vereine verlässliche Unterstützung, um diesen zusätzlichen Aufgaben gerecht werden zu können.
Erhält das Themenfeld Gesellschaftspolitik dafür ausreichend Unterstützung?
Die Unterstützung und das politische Interesse an diesen Themen sind in den vergangenen Jahren spürbar gewachsen. Gleichzeitig entsteht die Entwicklung nicht allein aus politischen Vorgaben. Auch gesellschaftliche Veränderungen und ein stärkeres Bewusstsein in den Vereinen selbst treiben diese Themen voran.
Wir erleben heute eine deutlich höhere Sensibilität für Fragen der Teilhabe und Chancengerechtigkeit. Das zeigt sich sowohl in gesetzlichen Rahmenbedingungen als auch in der täglichen Arbeit der Vereine.
Wo siehst Du aktuell den größten Handlungsbedarf?
Der wichtigste Punkt ist, unsere Beratungs- und Unterstützungsangebote dauerhaft und verlässlich aufrechterhalten zu können. Idealerweise sollten diese Angebote sogar weiter ausgebaut werden.
Es gibt weiterhin viele Menschen und Gruppen, die im Sport nicht die gleichen Chancen haben. Deshalb müssen wir Vereine und Verbände auch künftig dabei unterstützen, Teilhabe und Vielfalt aktiv zu fördern.
Mit welchem Ziel blickst Du auf die nächsten zwei Jahre?
Ich wünsche mir, dass wir noch mehr Vereine und Verbände in der Fläche erreichen und sie auf ihrem Weg begleiten können. Gleichzeitig möchten wir unseren Blick auf weitere Gruppen richten, die bislang weniger Teilhabechancen im Sport haben.
Menschen mit Behinderungen, Menschen mit Migrationsgeschichte oder queere Personen stehen dabei ebenso im Fokus wie ältere Menschen oder Personen, die von sozialer Armut betroffen sind. Unser Ziel bleibt ein Sport, der allen Menschen gleichermaßen offensteht. Dafür sind wir bereits gut aufgestellt, möchten uns aber konsequent weiterentwickeln.