Thomas Kloth, Abteilungsleiter Leistungssport beim Landessportbund Rheinland-Pfalz, blickt auf die vergangenen zwei Jahre zurück und nennt die drei wichtigsten Entwicklungen in seinem Bereich.
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Dominik Sonndag Abteilungsleiter Kommunikation
Thomas, welche drei Entwicklungen waren für deinen Bereich die wichtigsten?
Thomas Kloth Abteilungsleiter Leistungssport
Die wichtigste Entwicklung war ganz sicher das Thema Trainerförderung. Wir konnten hier einen bedeutenden Schritt nach vorne machen, insbesondere mit Blick auf die Lohnsteigerungen. Bereits 2020 haben wir angestoßen, dass das Land mehr Mittel für hauptamtliche Trainerinnen und Trainer bei den Landesfachverbänden bereitstellt. Das war ein sehr wichtiger erster Schritt.
Schon damals wurde vereinbart, dass wir für den Olympiazyklus 2025 bis 2028 zusätzliche Mittel erhalten, um Tarif- und Lohnsteigerungen im Trainerbereich umsetzen zu können. Das ist inzwischen erfolgt. Das ist ein sehr wichtiges Signal, denn im deutschen Sportsystem ist es leider keineswegs selbstverständlich, dass Tarifsteigerungen für Trainerinnen und Trainer finanziert werden.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Entwicklung unserer Bundesstützpunkte. Aktuell verfügen wir über sechs Bundesstützpunkte in Rheinland-Pfalz. Gleichzeitig wissen wir aber auch, dass die geplanten Reformen im Spitzensport, etwa die Spitzensportagentur oder ein zukünftiges Sportfördergesetz, neue Herausforderungen mit sich bringen werden. Das Bundessystem setzt zunehmend auf sogenannte Campus-Lösungen, also größere Standorte mit mehreren Sportarten an einem Ort.
Welche Bundesstützpunkte sind das in Rheinland-Pfalz?
Wir haben Bundesstützpunkte in den Sportarten Leichtathletik, Trampolinturnen, Kanuslalom, Rudern und Radsport. Hinzugekommen ist außerdem der Bundesstützpunkt Sportklettern in Kaiserslautern. Darauf haben wir gemeinsam mit dem Land, dem Landesverband, dem Deutschen Alpenverein Landesverband Rheinland-Pfalz sowie dem Bundesverband rund vier Jahre hingearbeitet. Heute sind wir einer von nur drei Bundesstützpunkten für Sportklettern in Deutschland. Das macht uns natürlich stolz, denn genau für solche Entwicklungen arbeiten wir.
Ist die Eröffnung des Sportkletterzentrums in Kaiserslautern dann der dritte große Punkt?
Sie gehört auf jeden Fall dazu. Der Neubau war eine wichtige Voraussetzung für die Anerkennung als Bundesstützpunkt. Entscheidend war aber das Gesamtpaket. Der Bundesverband hat bestätigt, dass wir im Nachwuchsleistungssport und in der Talentförderung mittlerweile über hervorragende Bedingungen verfügen, die bundesweit zu den besten zählen. Dazu gehören nicht nur die Kletteranlage, sondern auch qualifizierte Trainerinnen und Trainer, die Eliteschule des Sports, das Internat sowie weitere bestehende Strukturen. All diese Bausteine mussten zusammenkommen, um den Status eines Bundesstützpunkts zu erhalten.
Gerade vor dem Hintergrund der diskutierten Campus-Lösungen stellt das für ein Flächenland wie Rheinland-Pfalz eine besondere Herausforderung dar. Umso wichtiger ist es, solche leistungsfähigen Standorte weiterzuentwickeln.
Welche Maßnahmen haben aus deiner Sicht die größten Effekte für Vereine und Verbände gebracht?
Grundsätzlich haben alle unsere Fördermaßnahmen einen Nutzen, denn sie richten sich an unsere Mitglieder, also die Vereine und Fachverbände.
Für die Vereine gibt es beispielsweise den Vereinswettbewerb, für den wir inzwischen auch einen neuen Partner gewinnen konnten. Darüber hinaus bestehen Fördermöglichkeiten über die Spitzenvereinsförderung und die Nachwuchseliteförderung für international erfolgreiche Athletinnen und Athleten. Hinzu kommen Veranstaltungsförderungen für Deutsche Meisterschaften oder internationale Wettkämpfe, wenn Vereine als Ausrichter auftreten.
Bei den Fachverbänden spielt vor allem die Trainersubventionierung eine wichtige Rolle. In den meisten Fällen übernimmt das Land über 90 Prozent der Kosten für Landestrainerstellen. Daneben gibt es Zuschüsse für Stützpunkttrainerinnen und Stützpunkttrainer.
Kannst du dazu konkrete Zahlen nennen?
Als wir 2017 mit der Traineroffensive gestartet sind, standen knapp 600.000 Euro für die Finanzierung hauptamtlicher Trainerinnen und Trainer in den Landesfachverbänden zur Verfügung. Heute liegen wir bei rund 1,9 Millionen Euro.
Das ist eine sehr erfreuliche Entwicklung. Im Vergleich mit anderen Bundesländern haben wir allerdings weiterhin Nachholbedarf. Rheinland-Pfalz kommt hier von einem vergleichsweise niedrigen Ausgangsniveau. Deshalb wirken die bisherigen Fortschritte besonders deutlich, auch wenn noch weitere Schritte notwendig sind.
Was waren die größten Herausforderungen der vergangenen Jahre?
Ganz klar die Kostensteigerungen. Man muss heute nur an die Tankstelle fahren, um ein Gefühl dafür zu bekommen, welchen Belastungen Vereine, Verbände und Trainerinnen beziehungsweise Trainer ausgesetzt sind. Wenn Mannschaften oder Athletinnen und Athleten zu Länderpokalen, Deutschen Meisterschaften oder anderen Wettkämpfen reisen, entstehen erhebliche Kosten. Das stellt viele Organisationen vor große Herausforderungen. Teilweise können Wettkämpfe nicht mehr beschickt werden, weil die finanziellen Mittel fehlen.
Das bereitet mir Sorge, denn Wettkämpfe sind ein zentraler Bestandteil des Leistungssports. Wenn Verbände erklären müssen, dass sie Fahrten oder Teilnahmen nicht mehr finanzieren können und Eltern die Kosten vollständig selbst tragen müssen, dann ist das eine problematische Entwicklung.
Deshalb sind wir dem Land dankbar, dass die Mittel für die Talentförderung bereits erhöht wurden. Das war ein wichtiger erster Schritt. Allerdings reichen die aktuellen Förderungen oftmals gerade aus, um bestehende Strukturen zu sichern. Auch hier bleibt noch einiges zu tun.
Gab es in den vergangenen Jahren auch positive Überraschungen?
Ja, definitiv. Obwohl ich selbst über 15 Jahre ehrenamtlich als Trainer tätig war, hätte ich nicht erwartet, welche Wirkung die Anstellung hauptamtlicher Trainerinnen und Trainer tatsächlich entfalten kann. In nahezu allen Sportarten, in denen wir in den vergangenen Jahren hauptamtliche Stellen geschaffen haben, konnten wir deutliche Zuwächse bei den Nachwuchs-Bundeskaderzahlen verzeichnen.
In der Leichtathletik erreichen wir inzwischen Kaderzahlen, die nach Aussagen langjähriger Wegbegleiter seit Jahrzehnten nicht mehr erreicht wurden. Ähnliche Entwicklungen sehen wir auch in anderen Sportarten. Im Handball beispielsweise stellte Rheinland-Pfalz bei einer Nachwuchs-Europameisterschaft der Mädchen rund ein Drittel des deutschen Kaders.
Dass diese Entwicklung so schnell eintreten würde, hätte ich in dieser Form nicht erwartet. Natürlich hatte ich die Hoffnung, dass die Maßnahme Wirkung zeigt, aber die Ergebnisse haben selbst mich überrascht.
Was macht ein hauptamtlicher Trainer konkret, damit solche Entwicklungen möglich werden?
Ein hauptamtlicher Trainer arbeitet natürlich direkt mit den Athletinnen und Athleten. Darüber hinaus übernimmt er aber viele organisatorische Aufgaben, koordiniert Strukturen und unterstützt die ehrenamtlichen Trainerinnen und Trainer in den Vereinen. Dazu gehört beispielsweise die Betreuung von Landeskadern, die Entwicklung von Kaderkriterien oder die Organisation leistungsfördernder Maßnahmen. Viele dieser Aufgaben lagen früher vollständig auf ehrenamtlichen Schultern.
Durch hauptamtliche Strukturen werden die Ehrenamtlichen entlastet und gewinnen wieder mehr Zeit für die direkte Arbeit mit den Sportlerinnen und Sportlern. Deshalb sind Landestrainerinnen und Landestrainer echte Schlüsselpersonen im Nachwuchsleistungssport.
Welche Herausforderungen siehst du aktuell und wo wünschst du dir Unterstützung?
Ein großes Thema ist die bessere Unterstützung leistungsorientierter Vereine in Rheinland-Pfalz. Aktuell bieten wir mit Ausnahme des Vereinswettbewerbs nur wenige spezielle Unterstützungsangebote für diese Vereine an. Gemeinsam mit dem Präsidialausschuss und dem Landesausschuss Leistungssport arbeiten wir deshalb an neuen Konzepten. Dabei geht es nicht ausschließlich um finanzielle Förderung. Denkbar sind auch Beratungs- oder Serviceangebote, die Vereine organisatorisch entlasten. Gerade weil über 90 Prozent unserer Vereine überwiegend ehrenamtlich organisiert sind, müssen wir nach Lösungen suchen, die den Verantwortlichen vor Ort tatsächlich helfen.
Ich hoffe, dass wir dafür auch die Unterstützung des Landes erhalten und entsprechende Maßnahmen in den kommenden Jahren auf den Weg bringen können.
Wenn wir nach vorne schauen: Welche Projekte sollen in den kommenden zwei Jahren erfolgreich abgeschlossen werden?
Abgeschlossen werden nur wenige Projekte tatsächlich sein. Ein Beispiel ist aber unser Olympia-Projekt „Ticket to L.A.“. Dieses Projekt begleitet ausgewählte Athletinnen und Athleten auf dem Weg zu den Olympischen Spielen 2028 in Los Angeles. Nach den Spielen wird das Projekt abgeschlossen sein und wir werden sehen, welchen Beitrag es zur Anzahl der Olympiateilnehmerinnen und Olympiateilnehmer aus Rheinland-Pfalz leisten konnte. Wir hoffen, wie bereits vor den Spielen in Paris, zusätzliche Athletinnen und Athleten auf ihrem Weg zu Olympia unterstützen zu können.
Welche Sportarten werden im Rahmen des Projekts gefördert?
Das Projekt läuft bereits seit Beginn des aktuellen Olympiazyklus. Gefördert werden die Sportarten Radsport, Rudern sowie die Laufdisziplinen der Leichtathletik. Hier sehen wir besonders gute Chancen, dass Athletinnen und Athleten aus Rheinland-Pfalz an den Olympischen Spielen 2028 teilnehmen werden. Deshalb erhalten diese Bereiche eine gezielte zusätzliche Förderung.