„Kein Medikament wirkt so gut
wie Sport“
Beim Übungsleiter-Forum des Sportbundes Rheinland stand die Herzgesundheit im Mittelpunkt

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Zuvor hatte SBR-Präsidentin Monika Sauer die Teilnehmenden begrüßt. Obwohl sie an diesem Tag ihren Geburtstag feierte, ließ sie es sich nicht nehmen, persönlich nach Mülheim-Kärlich zu kommen und einige Worte an die Übungsleitenden zu richten.
Schneeweis machte schon zu Beginn seines Vortrags deutlich, dass Sport weit mehr ist als ein Mittel zur Verbesserung der Fitness. „Kein Medikament wirkt so gut wie Sport“, lautete eine seiner zentralen Botschaften. Regelmäßige Bewegung könne unter anderem das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und bestimmte Krebserkrankungen senken, den Blutdruck positiv beeinflussen und so die Wahrscheinlichkeit erhöhen, länger zu leben. Besonders groß sei der gesundheitliche Nutzen beim Schritt von niedriger zu unterdurchschnittlicher Fitness. „Diese Steigerung verringert das Risiko, vorzeitig zu sterben, um 50 Prozent“, veranschaulichte Schneeweis.
Bewegung als Medizin
So zeigte Schneeweis, dass bereits moderate Aktivität einen deutlichen gesundheitlichen Nutzen hat. Als Orientierung nannte er 150 bis 300 Minuten moderates Ausdauertraining pro Woche sowie regelmäßiges Krafttraining. Gleichzeitig machte er deutlich: Bewegung muss nicht immer in einer langen Trainingseinheit stattfinden. Auch kurze, intensive Bewegungseinheiten, sogenannte „Exercise Snacks“, können einen Beitrag zur Herzgesundheit leisten. Ein paar Minuten Treppensteigen, Kniebeugen oder zügiges Gehen lassen sich unkompliziert in den Alltag integrieren.
Als besonders aussagekräftigen Wert für die Fitness stellte Schneeweis die VO2max vor, also die maximale Sauerstoffaufnahme des Körpers unter Belastung. Sie gilt als wichtiger Indikator für die kardiorespiratorische Fitness und damit auch für die Herzgesundheit. Interessant für die Praxis: Bereits mit überschaubaren Trainingsreizen lässt sich die Ausdauerleistungsfähigkeit verbessern. Als wirksame Kombination nannte der Kardiologe moderates Ausdauertraining und gezielte intensive Intervalle.
Sicherheit gehört zum Training
Für die anwesenden Übungsleitenden besonders relevant war der Blick auf die Sicherheit. Denn wer Sportgruppen betreut, muss keine Diagnosen stellen – sollte aber erkennen können, wann Vorsicht geboten ist. Schneeweis stellte deshalb wichtige Screening-Fragen vor, etwa zu bekannten Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, Diabetes, Medikamenten oder familiären Herzerkrankungen.
Auch Warnsignale wie Brustschmerzen, Schwindel, ungewöhnliche Atemnot oder Herzrhythmusstörungen sollten ernst genommen werden. Gerade bei neuen Teilnehmenden ab 40 Jahren oder nach längerer Sportpause könne auch ein sportmedizinischer Check vor dem Trainingsstart sinnvoll sein.
Herzgesundheit ganzheitlich denken
Herzgesundheit erschöpft sich dabei nicht im klassischen Ausdauertraining. Schneeweis stellte vier Säulen eines herzgesunden Trainings heraus: kardiorespiratorische Fitness, Kraft, Mobilität sowie Stabilität und Balance. Gerade Krafttraining spiele eine wichtige Rolle.
Auch Erholung, Schlaf, psychische Gesundheit und Ernährung gehörten für den Kardiologen zum Gesamtbild. Diese Faktoren können gemeinsam mit regelmäßiger Bewegung einen wichtigen Beitrag zur Herzgesundheit leisten. Seine Botschaft war dabei einfach: „Der wichtigste Schritt ist, überhaupt anzufangen.“
Wissen für die Praxis
Dass es beim Übungsleiter-Forum nicht nur um Theorie geht, zeigte sich anschließend in drei Workshop-Runden. Die Teilnehmenden konnten aus mehr als 30 Angeboten ihr individuelles Fortbildungsprogramm zusammenstellen. Das Spektrum reichte von funktionellem Training, Beckenboden- und Rückentraining über Neuroathletik, Lauftraining und Yoga bis hin zu Entspannung, Kinesiotaping und Fragen rund um Nahrungsergänzungsmittel.
Auch der Austausch untereinander kam nicht zu kurz. In der Mittagspause sorgten die zahlreichen Helfer*innen des heimischen TV Mülheim für das leibliche Wohl der Teilnehmer*innen. Gleichzeitig bot die Pause Gelegenheit, sich beim Limpert-Verlag und den Inklusionslotsen des Landessportbundes Rheinland-Pfalz über weitere Themen rund um den Sport zu informieren. Stefan Rhein stand für Fragen rund um eine ausgewogene Ernährung zur Verfügung und präsentierte seine Bücher. Die Gewinne aus dem Verkauf spendet der Ernährungsberater vollständig an Kinderhilfsprojekte.
Für die Organisation und den reibungslosen Ablauf des Forums sorgte wie gewohnt die Abteilung Bildung Sportpraxis des SBR. So bot das Übungsleiter-Forum auch in diesem Jahr eine gelungene Mischung aus fachlichem Input, praktischen Anregungen und persönlichem Austausch – und damit jede Menge Impulse für die Arbeit in den Sportvereinen.